Der Linksbote » Lesestoff

Weihnachten ist zwar nun vorbei, aber vielleicht hat ja der ein oder andere von euch einen Büchergutschein bekommen.
Dann empfehle ich einfach mal “Imperium” von Robert Harris, erschienen bei Heyne.

Also das Buch hat mich echt überrascht, eigentlich lese ich ja nicht so gerne Historienromane die in der Antike spielen. Aber irgendwie hatte ich hier schon von Anfang an das Gefühl, dass musst du lesen.
Das faszinierende an diesem Buch ist, dass es trotz des geschichtlichen Hintergrundes so brandaktuell ist.
Man lernt das Leben von Cicero kennen und den Aufstieg und Fall Roms.

Faszinierend und beängstigend zugleich, sind die Parallelen zu heute. Die Politik war auch damals schon ein schmutziges Geschäft, skrupellose Politiker, welche die Menschen ausbeuten und einige wenige, die dagegen einen hoffnungslosen Kampf führen. Doch dabei bleibt es nicht.
Rom wird von ein paar Piraten bedroht, diese Bedrohung wird ausgenutzt um die alten Freiheitsrechte abzubauen und um eine Weltmacht aufzubauen. “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.” Kommt uns irgendwie bekannt vor, oder?

Ein sehr aktuelles Buch.
Welches sich auch noch sehr gut lesen lässt, der Erzählstil ist wirklich hervorragend, überhaupt nicht langatmig, aber dafür sehr bildhaft. Es ist, als ob man mit Cicero durch die Straßen Roms spaziert.

Wer zu Weihnachten gerne Bücher verschenkt, für den habe ich jetzt noch einen Geschenktipp, für alle anderen ist es eine Buchempfehlung.

Was passiert, wenn einen die Identität geklaut wird? Sprich jemand lebt mit deinen Namen in Saus und Braus und begeht sogar Straftaten.
Tja, dass kann Böse enden.
Um genau so einen Fall geht es in “Talk Talk” von T.C. Boyle, erschienen im Hanser-Verlag. Einer jungen Frau wird die Identität gestohlen, ein Betrüger stellt Schecks in ihren Namen aus, kauft sich Autos und Häuser und ehe sich die Frau versah, landete sie ihm Gefängnis und wurde mit diesen Fällen und mehreren Straftaten konfrontiert.
Sie muss nun ihre Unschuld beweisen, dass sie nicht dafür verantwortlich ist, dass stellt sich schnell heraus, aber dann wird sie von Polizei und Justiz alleine gelassen. Die Gläubiger stehen vor der Tür und der Betrüger befindet sich auf freien Fuß. Also muss sie dafür Sorgen, dass er hinter Gitter landet. Das die junge Frau auch noch gehörlos ist, macht es für sie nur noch schwieriger. Ohne ihren Freund, wäre sie auf sich alleine gestellt.  Beide machen sich auf die Suche nach den Betrüger, die Suche entwickelt sich sehr schnell zu einem Katz- und Mausspiel.
Nun konntet ihr Euch einen kleinen Eindruck von der wirklich packenden Geschichte verschaffen. Dazu kommt dann noch ein wirklich wunderschöner Erzählstil von T.C. Boyle.
Nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam und trotz der wirklichen Detailverliebtheit, überhaupt nicht langatmig. Ganz im Gegenteil, es hilft wunderbar bei der bildlichen Vorstellung. Bei manchen überlese ich solche Dinge manchmal recht gern, aber hier nicht. Zumal die kleinen Details mitunter recht lustig sind.

Ich kann nur sagen, dass Buch müsst Ihr einfach gelesen haben.

In gut zwei Wochen endet das Mandat der EUFOR-Truppen im Kongo, danach sollen sie abgezogen werden. Damit wird dann das Kongo-Abenteuer der Bundeswehr wieder zu Ende sein und glücklicherweise ohne die befürchteten toten Soldaten. (siehe Basler Zeitung)
Es hätte auch ganz anders ausgehen können, man kann eigentlich nur sagen, Glück gehabt. Denn mehr war es nicht, es war einfach nur Glück.

Doch ist im Kongo nun die Demokratie ausgebrochen, ist der Bürgerkrieg beendet, hört der Massenmord und das Massensterben nun auf?

Wenn man auf die Politiker der EU hört, anscheinend ja. Ihr Favorit hat gewonnen und Diktator Joseph Kabila kann weiter herrschen. Damit kann auch der Kongo weiterhin ausgebeutet werden.
Für die Menschen ändert sich nix, es wird keinen Frieden geben und erst recht keine Demokratie.
Das die Situation einen Pulverfass gleicht, dass zeigt auch das Wochenende. In Kinshasa, der Hauptstadt, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen mit mehreren Toten. (siehe Der Standard)

Doch auch so steckt der Kongo in einen Dilemma, dem Land fehlen die Demokraten, die auch vom Westen unterstützt werden. Der Westen unterstützt nur die Klasse von Politikern, die auch korrupt genug sind und zulassen, dass der Kongo weiterhin ausgebeutet werden kann. Politiker die dem Kongo helfen wollen, werden bekämpft und ermordet, siehe Lumumba oder einfach fallen gelassen.
Der Kongo kann so nie ein demokratischer Staat werden.

Die Demokratische Republik Kongo, ein Land mit enormen menschlichen und natürlichen Ressourcen, leidet grausam unter dem Mangel an demokratischer politischer Kultur. Es ist folglich schwierig, sich die Ausbreitung eines demokratischen Zeitalters in diesem wichtigen Land in naher Zukunft vorzustellen. Ohne Demokraten in den kongolesischen politischen Institutionen und an der Spitze des Staates ist es unmöglich, von einer Demokratie in Kongo-Kinshasa zu sprechen. Müssen die Kongolesen und die EU-Bürger diese Wahrheit verdrängen, die dem Niedergang des großen afrikanischen Land Kongo/Zaire zugrunde liegt?” (siehe Linkszeitung)

Auf den Artikel aus dem ich dieses Zitat habe, möchte ich einfach mal verweisen. Denn was Jimmy Kenga dort geschrieben hat, ist äußerst lesenswert und lässt einen auch verstehen, warum die Lage im Kongo so ist, wie sie derzeit ist. Nämlich fast hoffnungslos.

Die Abende werden länger, es ist dunkel, nass und kalt, draußen weht ein eisiger Wind, ein richtiges Schmuddelwetter ist das. Also ideal um sich drinnen warm einzukuscheln und ein Buch zu lesen. (ich bitte um etwas Phantasie, ja)

Deshalb gibt es heute mal wieder einen Buchtipp von mir, der passt auch direkt zur bevorstehenden Stichwahl im Kongo, bei der die Menschen die Auswahl zwischen Teufel Nr. 1 und Teufel Nr. 2 haben.

In der “Geheimen Melodie” beschreibt John Le Carré den Ausverkauf des Kongos.
Unter dem Deckmantel einer humanitären Mission wird der Kongo verraten und verkauft. Jeder betrügt jeden und alle belügen andere und sich selbst. Nur der Protagonist Salvo und seine Freundin Hannah halten ihre Ideale aufrecht und versuchen eine Katastrophe zu verhindern, auch wenn ihr Leben dadurch in Gefahr ist.

In einem rassanten Tempo erzählt Carré von diesem Verrat, selten habe ich ein Buch so schnell durchgelesen, wie dieses.

Einfach spannend und faszinierend zugleich.
Ein Mensch gibt sein komplettes Leben auf und beginnt ein Leben in Ungewissheit und ständiger Gefahr, da ihm die humanistischen Werte und sein alte Heimat wichtiger sind, als alles Geld der Welt.
Dieses Buch sollte uns alle zum Nachdenken anregen und zwar zum Nachdenken über unsere Werte und Ideale.
Wer einmal erfahren möchte wie Politik in Ländern wie dem Kongo gemacht wird, dem sei das Buch ebenfalls empfohlen.

Die “Geheime Melodie” ist für mich eine wunderschöne Mischung aus Spionagethriller, Liebesroman (auch die Liebe kommt nicht zu kurz) und humanistischer Literatur und dazu ist das ganze auch noch wunderbar geschrieben.

Wolf erzählt heute ein kleines Märchen, also nix wie hin und zugehört. Sehr schön. D

Der Winter steht ja bekanntlich vor der Tür und das lädt natürlich dazu ein, abends mal wieder ein Buch zu lesen.
Ich will Euch einfach mal eine ganze Romanfolge an Herz legen.

Zwar handelt es sich dabei um die Fortune de France von Robert Merle, erschienen im Aufbau-Verlag, Berlin.
Derzeit umfasst die Reihe 12 Bände, der 13. und letzte erscheint im kommenden Jahr.

Worum geht es dort? Den ganzen Beitrag lesen…

Roland Heine von der Berliner Zeitung, hat in selbiger einen in seinen Augen bescheidenen Vorschlag gemacht, um die Krise mit dem Iran beizulegen.

So bescheiden ist er eigentlich gar nicht, es ist der einzig vernünftige Vorschlag, um einen Krieg mit dem Iran zu verhindern.

US-Präsident Bush distanziert sich von allen bisher gemachten Äußerungen und gibt dem Iran die Sicherheitsgarantie, dass die USA die iranische Regierung nicht stürzen werden. Die USA erklären, dass die UN-Charta insbesondere Artikel 2 auch für den Iran gilt. ( siehe auch Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa)

Das hieße dann, es wird keinen Krieg geben.

Eigentlich ein sehr vernünftiger Vorschlag, nur leider zählt die Vernunft nicht mehr, wie auch das Beispiel Israel-Libanon zeigt.

Wenn die Regierungen vernünftig handeln würden, dann hätten wir viel weniger Probleme, als bisher. Denn dann würde mit dem Iran auf gleicher Augenhöhe verhandelt werden, der Iran wäre gleichberechtigte Partner und würde sich auch als solcher fühlen.

Wenn die Vernunft gesiegt hätte, dann hätte Israel den Libanon nicht angegriffen, sondern hätte die libanesische Regierung unterstützt und gemeinsam hätten sie die beiden entführten Soldaten befreit und die Entführer bestraft.
Wenn die Vernunft siegen würde, dann würde endlich auch die internationale Staatengemeinschaft mit einer Stimme sprechen.

Somlu hat sich einmal Gedanken über die ganzen Propagandalügen der Bundesregierung zur Arbeitslosigkeit gemacht.

Lest Euch das einmal durch, dem ist nix mehr hinzuzufügen.

Wenn es um die Frage der Flüchtlinge geht, die nach Europa einwandern wollen, kennt die Europäische Union nur eine Antwort. Keine Gnade zeigen und lieber den Tod von tausenden Menschen in den Kauf nehmen, anstatt ihnen zu helfen.

Corinna Milborn zeigt in ihren neuen Buch “Gestürmte Festung Europa” diesen wenig humanistischen Aspekt der europäischen Politik auf. Europa wird zu einer Festung ausgebaut und als Diktaturen bekannte Staaten werden dabei unterstützt, die Flüchtlinge nicht nach Europa kommen zu lassen.
Die Menschen die es dann doch schaffen, leben anschließend in der Illegalität. Um zu überleben, arbeiten sie meistens für Hungerlöhne in der Landwirtschaft und sorgen dafür, dass wir jeden Tag billiges und frisches Gemüse auf dem Tisch bekommen.
Corinna Milborn wirft den Regierungen ein Scheitern ihrer Integrationspolitik vor, sie haben jahrelang die Augen vor der Tatsache verschlossen, dass Europa ein Einwanderungsland ist, die Probleme die dann folgten wurden verdrängt oder es wird mit Abschiebungen reagiert. (siehe Netzeitung und festungeuropa.net)

Was für ein perfides Geschäft, die Politik sorgt dafür das Einwanderer in den Untergrund gehen müssen und die Wirtschaft kann diesen Fakt ausnutzen. Damit es aber nicht zu viele werden, die nach Europa kommen, wird die Außengrenze militärisch aufgerüstet. So wird im Vorfeld schon richtig auselektiert, wer hier arbeiten darf und wer nicht.

Nun kann man zwar sagen, die Europäische Union kann nur begrenzt Flüchtlinge aufnehmen, dass ist selbstverständlich auch richtig. Irgendwann ist kein Platz mehr da und die Finanzmittel sind auch aufgebraucht.

Aber wäre es da nicht sinnvoller, den Menschen in den Ländern zu helfen? Wären die Gelder die heute für den Aufbau der “Festung Europa” genutzt werden, nicht besser in den Heimatländern der Flüchtlinge angelegt?

Nein lieber unterstützen wir autoritäre und korrupte Regime, anstatt den Menschen vor Ort zu helfen. Denn verheißen diese Regime doch den uneingeschränkten Zugang zu den Rohstoffen, die wir so benötigen. Was interessiert da schon ein Menschenleben.

Da aber die Hilfe vor Ort, nicht über Nacht alle Probleme lösen wird, müssen wir uns nun einmal damit abfinden, dass wir ein Einwanderungsland sind. Wer das nicht tut, der nimmt den Tod tausender von Menschen billigend in Kauf.

Schaut Euch auch ruhig einmal das Blog von Corinna Milborn an, absolut lesenswert.

Vorhin kam mir doch tatsächlich ein Auto entgegen, bei dem doch irgend sowas graues Undefinierbares aus dem Fenster wedelte. Sah mir aus wie ein Aufwischlappen.
Vaterlandsveräter, sowas aber auch, weiß der denn nicht, dass sich so etwas nicht gehört.

Weil wir gerade beim Thema Fahnen sind, zum Abend habe ich noch einen kleinen Lesetipp für Euch. Auf Telepolis hat Peter Nowak einen schönen Artikel über die Patriotismusdiskussion verfasst.

Es ist wirklich derzeit so, dass jemand der mahnend den Finger erhebt und daran erinnern möchte, dass wir die Vergangenheit nicht vergessen dürfen, sofort als Miesmacher, ja beinahe Verräter beschimpft wird.
Und glaubt mir eines, so einen aggresiven Patriotismus möchte ich nicht haben.

Peter Nowak bezieht sich auch auf die Linke im Land, die sich bedauernswerter Weise aus dieser Debatte langsam verabschiedet. Den ganzen Beitrag lesen…