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Überflüssiger DGB

Ich weiß nicht ob DGB-Chef Michael Sommer die letzten Monate nicht in Deutschland war oder ob er als DGB-Chef künftig die Arbeitgeber vertreten möchte.
Nach monatelangen Streit wurde zwischen der Bahn und der GdL ein Tarifvertrag ausgehandelt, er war ein für beide Seiten schmerzhafter Kompromiss, aber es war eine Einigung erzielt. Dieser Vertrag wurde bereits von der GdL unterschrieben, doch Bahnchef Hartmut Mehdorn weigert sich diesen Vertrag zu unterschreiben. Mehdorn wird wortbrüchig und dann ist es doch ganz klar, dass dies die GdL nicht einfach so hinnimmt, denn schließlich hat der Bahnchef den damals ausgehandelten Vertragsentwurf unterschrieben. Doch anstatt Mehdorn zu kritisieren, zieht der DGB-Chef über die GdL her und nennt sie egoistisch. (siehe Passauer Neue Presse) Ich kann dazu nur sagen, damit hat er sich als Vorsitzender des DGB disqualifiziert.
Und man sollte ihm in diesem Zusammenhang auch mal fragen, wer hier egoistisch ist. Lokführer dürfen nicht für anständige Löhne kämpfen, aber Kindergärtnerinnen und Pflegepersonal in Krankenhäusern schon.
Sommer bemängelt die Solidarität der GdL mit den anderen Gewerkschaften. Aber was kann denn die GdL dafür, wenn sich die anderen beiden Gewerkschaften nicht für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzen und schlechtere Verträge mit der Bahn abschließt und sogar noch die Bahnprivatisierung unterstützen, der zu einem weiteren Stellenabbau führen wird. Heißt der DGB etwa diese fehlgeleitete Bahnpolitik gut? Will der DGB die Profitgier der Bahn, aber auch einzelner Politiker unterstützen?
Und wo war die Solidarität des DGB als Hartz-IV eingeführt wurde? Wo war da der DGB, als die Politik beschlossen hat, dass künftig Millionen von Menschen Armut leben müssen. Es hat lange gedauert bis von dort Kritik zu hören war, doch dann hat sich der DGB wieder der SPD zugewandt und ihre neoliberale Politik unterstützt.

Anstatt sich jetzt solidarisch mit der GdL zu zeigen, fällt der DGB ihr in den Rücken und unterstützt den Wortbruch von Hartmut Mehdorn. Hartmut Mehdorn hatte seine Unterschrift zum Vertragsentwurf gegeben, um anschließend neue Forderungen aufzustellen, dass ist die Wahrheit, von der GdL kamen keine neuen Forderungen. Sie war zu schmerzhaften Kompromissen bereit und steht nun wieder als Sündenbock da. Dabei sollte Michael Sommer auch wissen, dass unter solchen Voraussetzungen ein Bahnstreik viel eher zu vermitteln ist, als wenn Kindergärten bestreikt werden. Dafür fehlt den Menschen im Land jegliches Verständnis. Wer dann auch noch ganztägige Warnstreiks durchführt, der macht sich auch bei den Arbeitgebern nicht beliebt.
Die Bahn schreibt Gewinne und will keine anständigen Löhne zahlen, die Kommunen stehen trotz erstmaliger Überschüsse immer kurz vor der Pleite und sollen einen Vertrag unterschreiben, der sie in die Pleite führt. Wenn der DGB seinen Willen durchboxt, dann können z.B. in Sachsen-Anhalt die drei Großstädte Magdeburg, Halle/S. und Dessau die meisten freiwilligen Ausgaben einstellen, da ihr Haushalt dann vom Landesverwaltungsamt beschlossen wird. Sie stehen heute bereits unter Aufsicht und dann können sie das Licht endgültig ausschalten.
Es ist richtig, dass die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst anständig bezahlt werden müssen und auch ihre Familien ernähren können. Aber wenn die Gewerkschaften sich solidarisch zeigen wollen, dann sollten sie die Bundesregierung in die Pflicht nehmen, damit sie endlich den Gemeinden und Kommunen, aber auch den Bundesländern mehr Geld gibt, denn erst dann können die Forderungen erfüllt werden. Aber das kann ja ein Michael Sommer nicht tun, denn das hieße ja Kritik an Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) üben, der ganz nebenbei gesagt, die Bahnprivatisierung und den neuen Kurs der Bahn unterstützt und ihr weniger Geld geben möchte. Was zur Folge hat, das die Löhne gedrückt werden und Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Peer Steinbrück ist einer der großen Befürworter der Privatisierungspolitik und will diese weiter vorantreiben und am Ende stehen noch mehr Menschen auf der Straße. (siehe NachDenkSeiten) Doch anstatt dort die Stimme zu erheben und dagegen zu kämpfen und sich solidarisch zu zeigen, wird die einzige Gewerkschaft die sich gegen eine Bahnprivatisierung wendet, kritisiert. Damit macht sich der DGB überflüssig.

13 Kommentare

  • 1. Verbindulix schrieb am 10th March 2008 um 12:09 :

    Ja, der DGB ist schwach geworden. So gewollt von Wirtschaft und Regierung. Aber wir wissen doch, daß Querulanten in dieser Gesellschaft überhaupt nicht gefragt sind. Sie stören den sogenannten sozialen Frieden, der da heisst, abducken und immer schön gute Miene zum bösen Spiel machen. Die induviduelle Angst des Einzlnen um die eigene Existenz fördert dies auch noch im erheblichem Maße.Was den Sommer betrifft, der hat nun mal von dem süßen Nektar der Macht probiert, den Trank der alles vergessen macht .Wann sitzt der schon mal mit ein paar Stahlarbeitern am Stammtisch, doch wohl eher mit Politikern und Wirtschaftsvertretern im Nobelrestaurant.Die GdL ist da die Laus auf dem Haarschopf, die sticht und sticht und es juckt immer unangenehmer. Denn diese Laus ist zwar klein aber unberechenbar.Die hüpft von einen Kopf auf den anderen. Nicht unbedingt gut für den Rudelführer Sommer,es könnten ja andere Läuse folgen. Fazit, Sommer in den Gewerkschaften heisst eiskalter Winter für Deutschland.

  • 2. bembelkandidat schrieb am 24th March 2008 um 03:06 :

    wie schon bemerkt, der dgb ist schwächer geworden, gut beobachtet, die frage ist halt, was wage ich?!?
    manchmal glaube ich, daß gerade den gewerkschafterInnen dieser christliche mut abgeht, die eigene überzeugung auf die karte “alles-oder-(weniger als oder weniger als jetzt oder genausoviel wie jetzt oder…) nichts” zu setzen

    trotzdem:
    Frohe Ostern!

  • 3. Verbindulix schrieb am 27th March 2008 um 09:52 :

    Alles oder Nichts. Interessante These bloß für wem.Alles vielleicht für sich selber und nichts für die zahlenden Mitglieder der breiten Masse.Mut braucht man da nicht zu haben, sondern nur sturen Pragmatismus.Der Arbeitskampf wird in deutsche Schablonen gepresst, in Strukturen, die sich immer wiederholen. Man erkennt es doch daran wie die Forderungen im öffentlichen Dienst sind. Acht Prozent sind doch lächerlich und das Angebot der Komunen liegt bei fünf Prozent+längerer Arbeitszeit. Wo will man sich denn da treffen.Etwa bei 6,2759 Prozent(Serviervorschlag)mit Arbeitszeitverlängerung oder bei fünf Prozent ohne Arbeitszeitverlängerung.Heute werden die ernannten Schlichter ihre, in langer ausklamüserter Rechnerei,neuen Einigungsvorschläge vorstellen.Ich bin gespannt was da rauskommt.Wahrscheinlich ein fauler Kompromiss der hilft die immer steigenden Kosten etwas aufzufangen.Also gibt es in Deutschtland keine Gewerkschaft an sich sondern eine Gewerkschaftsindustrie und ihre Führer verdienen alle kräftig daran.Heraus kommt letztlich Wasser für die zu Vertretenen und Wein für die Vertreter,oder was glaubst du wer wieder für die Bankenkriese und für die Kosten der vielen Millitäreinsätze der Bundeswehr aufkommen muss.

  • 4. Verbindulix schrieb am 8th April 2008 um 16:46 :

    Hallo wo bist du denn?

  • 5. Steffi schrieb am 9th April 2008 um 15:37 :

    Huhu Markus , *mal Vermistenanzeige stell*
    wo bist du *sorgenmach* Ich hoffe, dir geht es gut.
    Liebe Grüße Steffi

  • 6. Killerkeks schrieb am 2nd May 2008 um 23:33 :

    Irgendwie wird hier am Thema vorbei diskutiert… Dass Gewerkschaften in den letzten Jahren schwächer geworden sind, ist unbestritten, dass sie neuen Aufwind verspüren auch.

    De facto hat Sommer den Egoismus der GdL kritisiert - nicht die Forderung. Eine Arbeitnehmerbewegung lebt von Solidarität und Kampfkraft. Und ich gebe Sommer recht, wenn er kritisiert, dass sich eine einzelne (starke & mächtige) Berufsgruppe absondert und (ausschließlich) für sich mehr Geld fordert.

    Die Frau / Der Mann am Schalter nämlich brauch nicht streiken, dafür gibts dann eben Automaten… Fährt der Zug nicht, wird Druck auf gemacht. Ist der Schalter zu, juckt es niemanden…

    Warum also sondern sich 2-3 Berufsgruppen von allen anderen Kolleginnen und Kollegen ab und nutzen ihr Machtpotenzial unsolidarisch aus um selbst mehr Gehalt durchzusetzen und letztendlich bleiben die Beschäftigten, die nicht im Zug sitzen auf der Strecke…

    Diese mangelnde Solidarität wurde von Sommer (in meinen Augen auch völlig zu recht) kritisiert.

    Arbeitnehmerrechte werden gemeinsam & solidarisch verteidigt und mangelnde Solidarität zerstören diese Bewegungen und tragen mit zur Schwächung einer Gewerkschaft bei!

  • 7. Optimum schrieb am 13th November 2008 um 08:13 :

    Ein Gutes halbes Jahr später zeigt sich erneut, wie die Gewerkschaften eigentlich die Realität erleben. Bei einer gefürchteten Rezession wird weiterhin kräftig für höhere Löhne gestritten.

  • 8. Dani schrieb am 2nd December 2008 um 11:00 :

    Ich kann Optimum nur Recht geben. Dieser Streik wird wahrscheinlich nie ein Ende haben. Derjenige, der letztendlich dauernd drunter leidet, sind doch dann trotzdem die, die plötzlich am Bahnhof stehen und der Zug fährt nicht, weil die Lokführer immer noch keine Lohnerhöhung erhalten haben.

  • 9. David Cresces schrieb am 13th July 2009 um 14:35 :

    auch sicherlich stark angeschlagen, wenn man noch an die ganzen Streiks im letzten Jahr denkt. Aber wie Dani schon gesagt hat sind wir am Ende die Leidtragenden ( Spätestens wenn wir dadurch selber nicht auf Arbeit etc kommen …

    grüße!

  • 10. Martin schrieb am 19th October 2009 um 17:36 :

    Und schon steht die nächste Fahrpreiserhöhung der Deutschen Bahn vor der Tür…und die wird sicherlich NICHT den Angestellten zugute kommen. Schweinerei!

  • 11. Sonny schrieb am 22nd December 2009 um 17:33 :

    Jepp, da kann ich dem letzten Kommentar von Martin nur zustimmen!

  • 12. Wellensittich schrieb am 27th August 2010 um 23:51 :

    Fürchte leider, Martin (Kommentar 10) wird Recht behalten.

    Die Privatisierung halte ich sowieso für einen großen Fehler, sobald mal etwas schlecht läuft, ist der Staat ohnehin darauf angewiesen, selbst einzuspringen. Da könnte man wenigstens auch die Vorteile selbst nutzen…

  • 13. Helen schrieb am 31st August 2011 um 13:25 :

    Und immer noch gibt es keine vernünftige Lösung… fragt sich, wie lange sich dieser ganze Mist (sorry!) noch hinziehen wird!!

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