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Gesundheitsversorgung vor dem Zusammenbruch

Eigentlich gehört die medizinische Gesundheitsversorgung zur öffentlichen Daseinsvorsorge und die Politik hat die Pflicht diese auch weiterhin zu gewährleisten. Dies ist die Aufgabe eines jeden in den Bundestag gewählten Abgeordneten. Aber längst nicht jeder kommt dieser Pflicht nach, sie leugnen bis heute dass das deutsche Gesundheitssystem vorm Zusammenbruch steht. Im Osten ist es bereits zusammengebrochen und im Westen wird es mit einer zeitlichen Verzögerung auch noch passieren. Doch wie gesagt, es wird einfach geleugnet und wenn es doch erkannt wurde, so wird dann auf den kommenden Gesundheitsfond verwiesen, der angeblich das System retten soll, aber es in Wahrheit zum endgültigen Aus führen wird.
5000 Fach- und Hausärzte fehlen derzeit in Deutschland, doch die Patienten werden immer mehr. Das heißt sie müssen immer länger auf einen Termin warten und für die Ärzte heißt dies, dass sie immer öfters ihr Budget überziehen. Laut Fachärzteverband liegen mittlerweile gut 20 Prozent aller ambulanten Leistungen außerhalb des Budget, sprich der Arzt behandelt auf eigene Kosten.
Um nicht pleite zu gehen müssen sie also so viele Privatpatienten wie nur möglich behandeln, dies geht natürlich noch einmal zu Lasten der Kassenpatienten.
Dann gibt es noch einmal das Arzneimittelbudget und dies sorgt dann noch einmal zusätzlich dafür dass immer mehr Ärzte vor dem Ruin stehen. So forderte zum Beispiel die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen von ihren Vertragsärzten im letzten Jahr 100 Millionen Euro zurück, weil sie ihr Budget überzogen haben.
Niedersachsen ist da kein Einzelfall.
Wie da ein Ärztenachwuchs herangezogen werden kann, möchte ich gerne wissen. Genauso wie ich gerne einmal wissen würde, wie mit solchen Rahmenbedingungen verhindert werden soll, dass immer mehr Ärzte ihre Kassenärztliche Zulassung zurückgeben und nur noch Privatpatienten behandeln.
Nun könnte man zwar der KV die Schuld in die Schuhe schieben, aber sie führt ja nur das aus, was ihr per Gesetz verordnet wird.
Die Ignoranz und der totale Realitätsverlust von Politiker aus Union und SPD hat dazu geführt, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen bis heute trotz gestiegener Kosten, nicht mehr Geld bekommen. Die Kosten steigen, aber das Budget bleibt gleich.
Wer heute hier bei uns einen Termin beim Augenarzt haben möchte, der muss bis zu einen halben Jahr warten. Bei anderen Fachärzten sieht es nicht viel besser aus.

Der MDR hat sich gestern in der Sendung “FAKT ist…!” diesem Missstand angenommen. Neben Patienten, Ärzten und der KV kam auch die Politik zu Wort und es war so wie immer, schuld sind die Ärzte, so das Fazit der stellvertr. Gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Dr. Marlies Volkmer. Hausärzte würden viel zu leichtfertig Überweisungen an Fachärzte ausstellen und die Augenärzte hätten genügend Geld übrig um auch Kassenpatienten behandeln zu können. Nur leider vergisst sie dabei, dass ein Arzt von dem Geld was am Ende des Monats übrig ist, die Miete zahlen und seine Mitarbeiter bezahlen muss. Steuern und weitere Abgaben sind dann auch noch fällig. Da bleibt am Ende nicht mehr viel übrig und sein Budget hat er bereits nach einem Monat überzogen, sprich er arbeitet zwei Monate ohne Vergütung.
Ein Hausarzt schickt den Patienten zum Facharzt, wenn er nicht mehr weiter weiß oder seine Diagnose diesen Besuch erforderlich macht. da war Marlies Volkmer der Meinung, dass die Terminproblematik durch die Übernahme eines Modellversuches aus Thüringen beseitigt werden kann. Der Hausarzt vermerkt auf der Überweisung eine Dringlichkeitsstufe und danach wird ein Termin vergeben. Aber das Problem dabei ist nicht jede schwere Erkrankung ist gleich zu Beginn akut und nur eine fachärztliche Untersuchung kann da für Klarheit sorgen. Doch was passiert, wenn der Hausarzt meint, so dringend ist es nicht, aber dabei ist es doch dringend. Einem Hausarzt fehlen nun einmal die Mittel um eine genaue Diagnose stellen zu können und wertvolle Zeit ist verloren gegangen.
Das es überall lange Schlangen gibt, wurde natürlich auch nicht wahrgenommen.
Ich kann nur jeden Politiker empfehlen einmal hier eine Arztpraxis zu besuchen und dort versuchen einen Termin zu bekommen und vielleicht auch einmal den Menschen die in der Praxis sitzen, richtig zuzuhören, aber nicht um hinterher alles beiseite zuwischen und irgendwelche Zahlen zu nennen, die fernab jeder Realität sind, sondern einmal am eigenen Leib spüren wie es um unser Gesundheitssystem steht.

4 Kommentare

  • 1. Blimp, Böse Worte schrieb am 29th February 2008 um 20:05 :

    “Ich kann nur jeden Politiker empfehlen einmal hier eine Arztpraxis zu besuchen und dort versuchen einen Termin zu bekommen und vielleicht auch einmal den Menschen die in der Praxis sitzen, richtig zuzuhören, aber nicht um hinterher alles beiseite zuwischen und irgendwelche Zahlen zu nennen, die fernab jeder Realität sind, sondern einmal am eigenen Leib spüren wie es um unser Gesundheitssystem steht.”

    Unsere Politiker müssen nicht zu den Kassenärzten gehen. Es interessiert sie auch nicht wie es den normalen Kassenpatienten geht. Ihre einzige Sorge ist es tief genug in die Hinterteile von Mohn, Kannegießer und Konsorten hineinzukriechen. Für solche Nebensächlichkeiten bleibt da kein Platz.

  • 2. Verbindulix schrieb am 3rd March 2008 um 17:57 :

    Wenn alle Schmarotzer diees Gesundheitssystemes wie z.B. kassenärztliche Vereinigungen, die alleine schon die Hälfte aller Beiträge verschlingen endlich abgeschafft würden wäre es auch alles einigermaßen entspannt. Aber alle Alternativprojekte wurden ja mit Hilfe der Regierung ganz schnell wieder unterdrückt.Da kannst du mal sehen wie stark die Lobby der Schmarotzer ist.

  • 3. Beate Grußkarten schrieb am 4th May 2010 um 12:29 :

    Da hat sich unser toller Sozialstaat wieder schön die eigene Grube gebaut. Schlimm ist wirklich, wie du es schon angedeutet hast, dass die es einfach nicht wahrhaben wollen. Bin gespannt was noch passieren muss bis hier mal was getan wird. Wahrscheinlich raffen die es wirklich erst, wenns keinen Arzt mehr gibt, zu dem die gehn können…

  • 4. Sam schrieb am 5th November 2010 um 11:23 :

    Ganz hart trifft es die Bevölkerung in ländlichen Bereichen. Die Hausarztpraxen vor Ort sterben aus und die Fahrt in die nächste Stadt ist weit und beschwerlich - und Versorgungszentren mit ständig wechselnden Ärzten können keine kontinuierliche Behandlung gewährleisten.

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