Der Linksbote » Die Angst geht um

Die Angst geht um

Wenn es nicht so traurig wäre, dann wäre es schon fast zum lachen. Die Wirtschaftsverbände, aber auch einige Politiker der Union haben eine riesengroße Angst vor einem Linksruck in Deutschland. Sie malen deshalb auch schon eine düstere Zukunft an die Wand. Man warnt mit aller Vehemenz vor einem Erstarken der Linken und dass sich die SPD, aber auch die CDU Richtung links bewegen könnten. Der wirtschaftliche Aufschwung würde sofort ein Ende finden, als ob er schon begonnen hätte. Millionen Arbeitsplätze wären gefährdet, etwas ganz neues. Ganz schlimm wäre die Einführung eines Mindestlohnes, dass wäre das Ende alle Konzerne und Unternehmen in Deutschland. Ganz nebenbei gesagt, haben nach Großbritannien, Frankreich und Irland, zwölf weitere EU-Mitgliedsstaaten zum Jahresbeginn ihren Mindestlohnsatz erhöht. (siehe Hans-Böckler-Stiftung) Wenn diese Angst nur von den Wirtschaftsverbänden kommen würde, so könnte ich es ja noch verstehen, schließlich ist ihr Ziel ja der größtmögliche Gewinn, koste es was es wolle, aber das auch einige Politiker davor Angst das ist doch schon recht verwunderlich. Wenn es dann auch noch die gleichen sind, die die Praxis von Nokia kritisieren, die aus reiner Gewinngier ihr Werk in Bochum schließen wollen, dann wird es albern. Entweder sie wollen diesen Turbokapitalismus, der keinerlei Rücksicht auf die Menschen nimmt, oder sie wollen ihn nicht. Wenn sie ihn wollen, dann müssen sie es auch sagen und sollten auch den Menschen im Vorfeld die Folgen einer solchen Politik erklären. Denn nicht der Linksruck kostet Arbeitsplätze, sondern die reine Geldgier deutscher Manager, gepaart mit deren Unfähigkeit ein Unternehmen zu führen. Wenn dann auch noch der Gesetzgeber eine Förderpolitik auf die Menschheit loslässt, die völlig verrückt ist, dann sollte man sich im Nachhinein nicht wundern, dass einige weniger unfähige Manager diese Praxis auch ausnutzen und zum Vorteil ihrer Unternehmen verwenden und so viele Fördermittel wie nur möglich einstreichen und dennoch Arbeitsplätze abbauen. Ich kann es ihnen nicht einmal verdenken.
Zumal der Mindestlohn auch gar keine Arbeitsplätze gefährden kann, diejenigen die heute vor ihm warnen, also aus den Reihen der Wirtschaft, sind doch nicht einmal von ihm betroffen, außer sie beteiligen sich so wie der Springerkonzern an Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nur ausbeuten wollen. Die Mitarbeiter aller großen Konzerne und Unternehmen in Deutschland werden doch nach Tariflohn bezahlt, also existiert dort bereits ein Mindestlohn und dieser Mindestlohn wird zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften festgelegt. Auch für die vielen Zeitarbeiter in diesen Firmen gibt es einen Mindestlohn, über dessen Höhe sicherlich auch gestritten werden kann. Im Baugewerbe gibt es schon lange einen Mindestlohn und die deutschen Unternehmen sind froh das es ihn gibt, denn somit können sie gegen die Billigkonkurrenz endlich wieder bestehen. Nur im Dienstleistungsgewerbe gibt es keinen Mindestlohn, doch welch großer Konzern ist dort tätig? Wenn dann nur über einen Call-Center und für diese Mitarbeiter gilt ebenfalls ein Tariflohn. Warum dann diese Aufregung? Haben die Bosse Angst, dass sie ihrer Putzfrau in Zukunft ein paar Euro mehr zahlen müssen? Wenn es das ist, da findet sich doch sicherlich eine Lösung, dann muss es halt eine Spendengala im Fernsehen geben, damit der von der Armut bedrohte Wirtschaftsboss seine Putzfrau bezahlen kann, während er in der Karibik Urlaub macht. Vielleicht kann ihm so die Angst genommen werden und er kann wieder beruhigt einschlafen, während er die Mitarbeiter die morgen entlassen werden über einen Zaun springen lässt und sie dabei zählt.
Oder haben sie Angst davor und auch die Politiker der Union, dass die Menschen in Deutschland mündig werden und sich nicht mehr alles gefallen lassen. Jahrelang ging dieses Wechselspiel gut, es gab zwei große Parteien, sie nannten sich Volksparteien, wenn es schlecht lief dann wurde die eine abgewählt und weil es danach nicht besser lief. wurde wieder die andere gewählt. Aber die gutbezahlten Posten waren den Politikern sicher.  Doch och weh, mit einmal haben wir 5 Parteien in Deutschland und der Wähler spielt nicht mehr so mit wie er es sollte. Er schaut sich die Programme dieser Parteien an und vergleicht und er schaut sich auch die Politiker an, vor allen schaut er sich ihre Taten an und das was sie sagen. Es wird zwar immer gesagt die Politikverdrossenheit wächst immer mehr, dass stimmt aber nur zu einem Teil. Die Wahlbeteiligung wird zwar immer geringer, aber zurück bleiben durchaus sehr politische Wähler, die genau wissen wem sie ihre Stimme geben und warum und es sind nicht nur reine Protestwähler, die der Linkspartei ihre Stimme geben. Sie haben zwar die Nase voll von der Politik, die in Berlin gemacht wird, aber sie wissen genau warum sie der Linken ihre Stimme geben, es gibt schließlich noch genügend andere Parteien, die nun wirklich als reine Protestparteien gelten. Diese Wähler wollen eine neue Politik in diesem Land haben, sie haben von den Lügen und der Ausbeutung die Nase voll, dies ist durchaus ein Protest, aber sie trauen der Linken am ehesten zu, hier etwas zu verändern. Wenn sich heute die SPD wieder an die sozialdemokratischen Traditionen erinnert und Richtung links schwenkt, so ist dies auch ein Verdienst der Linken und eine linke Politik und linksgerichtete Politiker bedeuten nun wirklich keine Gefahr für den wirtschaftlichen Aufschwung. Hier kann auch das Beispiel Ostdeutschland herhalten. Nach der Wende regierte überall die CDU zusammen mit der FDP und alles ging krachen und die Konkurrenzkonzerne aus dem Westen taten genau das was heute Nokia in Bochum macht. Sie kamen her, kassierten ab und verschwanden und zurück blieben die Arbeitslosen. Ein paar Jahre später kam es fast überall zu einem Linksruck und plötzlich entstanden kleine Wirtschaftsoasen. Die Landespolitik hatte ihren Anteil daran, aber vor allen die Lokalpolitiker vor Ort, die alle Hand in Hand gearbeitet haben, unabhängig vom Parteibuch. Dies tun sie auch heute noch. Wenn ich sehe wie sehr sich die Politiker in meinem Kreis um Otto bemüht haben, oder später um Euroglas, dann ist das schon bewundernswert. Auch wenn der Landrat von der CDU gestellt wird, so gibt es hier doch eine starke Linke, die sich immer zu Wort meldet, doch dies hat keine Firma davor abgeschreckt hier zu investieren und im Gegensatz zu anderen Orten wird nicht einfach mal so nach Ablauf der Fristen der Standort wieder geschlossen. Der Großteil der Unternehmen die in Sachsen-Anhalt investieren bleibt auch hier, der ist nicht auf den schnellen Euro aus und das obwohl Sachsen-Anhalt durchaus ein sehr rotes Land ist und das hat hier Tradition. Schon vor 100 Jahren galt Sachsen-Anhalt, bzw. seine Vorgänger als die Wiege der Arbeiterbewegung und dennoch war es der Wirtschaftsstandort in Deutschland. Obwohl Magdeburg eines der Zentren der Sozialdemokratie war, blühte die Wirtschaft. Da stellt sich doch die Frage warum dem so war. Denn nur wo es den Menschen gut geht, kann die Wirtschaft wachsen und zwar dauerhaft. Gewinnmaximierung um jeden Preis ist noch nie gut gegangen und das sollten sich die Wirtschaftsbosse hinter die Ohren schreiben. Was die Gier nach dem größten Gewinn auslöst, dass konnten wir letzte Woche wieder erleben. Die Kurseinbrüche an den Börsen haben dies gezeigt, wer immer mehr haben will, fällt böse auf die Nase. Gewinne müssen sein, denn sonst kann ein Unternehmen nicht existieren, aber jeder Manager sollte auch an die Zukunft denken und daran das sein Unternehmen, für das er heute tätig ist, auch noch in 20 oder 30 Jahren in der Lage ist, Gewinne zu machen. Wenn ich es heute zum Vorteil der Aktionäre ausbeute, dann habe ich zwar heute viel Geld, aber morgen nichts. Daran sollten sie denken und entsprechend handeln, anstatt sich hinzustellen und etwas an die Wand zu malen, was nicht existiert. Sie sollten lieber ihre Kraft dafür verwenden, dass die Wirtschaft wirklich wachsen kann und das Arbeitsplätze gesichert und neu geschaffen werden, gleiches gilt auch für die Politiker. Sie wurden gewählt damit sie etwas für ihr Geld tun, damit sie etwas für die Menschen im Land tun.

4 Kommentare

  • 1. Blimp, Böse Worte schrieb am 3rd February 2008 um 12:39 :

    Wer die soziale Rutschbahn immer steiler stellt, braucht sich über das Abrutschen der Mehrheit nicht zu wundern. Der Erfolg der sogenannten “Protestparteien” ist also letzten Endes nur das Ergebnis der Unfähigkeit der “Volksparteien”. Also sollten die Herrschaften eher Angst vor sich selbst haben.

  • 2. Dottore schrieb am 7th February 2008 um 07:38 :

    Ich erlaube mir einen manuellen Trackback auf einen Artikel mit thematischem Bezug:

    Gewerkschaften: die Folgen für die Menschen

    Besten Dank.

  • 3. Blimp, Böse Worte schrieb am 10th February 2008 um 20:32 :

    Hier war der schweizer Dottore also auch schon. Ich glaube aber kaum, dass er in dieser Höhle des Löwen, sorry Tiegers, wirklich neue Anhänger für sein neoliberales Gewäsch findet.

  • 4. doerfler schrieb am 11th February 2008 um 08:38 :

    @Blimp: Deshalb sag ich auch lieber gar nichts dazu, sowas passiert halt wenn man nur Technorati oder so benutzt und wahllos Links setzt, ich hätte es auch löschen können, ist ja schließlich Werbung, aber ich bin ja tolerant.

Gib deinen Kommentar ab

XHTML: Du kannst folgende Tags für deinen Kommentar nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>