Der Linksbote » Sklaverei vom Amt verordnet

Sklaverei vom Amt verordnet

Das deutsche Grundgesetz und die europäische Menschenrechtskonvention haben sich eigentlich recht unmissverständlich ausgedrückt und Sklaverei und Zwangsarbeit verboten, doch dies scheint bis heute nicht bei der Arge des Landkreises Börde (Sachsen-Anhalt) angekommen zu sein. Dort und mit Sicherheit auch bei anderen Argen im Land, ist es anscheinend übliche Praxis Arbeitslose ohne Mehraufwandsentschädigung (auf gut deutsch ohne 1 Euro die Stunde) arbeiten zu lassen, denn schließlich bekommen sie ja Hartz-IV als Leistung vom Amt und dafür müssen sie eine Gegenleistung erbringen.

Eine Hartz-IV-Empfängerin hat sich deshalb an den Leseranwalt in der Volksstimme gewandt und ihm um Hilfe gebeten, leider ohne Erfolg, denn für die Arge ist alles rechtens. Jeder Hartz-IV-Empfänger müsse für seine Sozialleistungen arbeiten, einen Berechnungssatz dafür hat sie auch parat, monatlicher Hartz-IV-Satz geteilt durch 5 ergibt die zu leistenden Stunden im Monat. Bei der Frau waren es 130 Stunden im Monat, die sie ohne jegliche Entschädigung arbeiten muss. Sie wollte aber gerne noch darüber hinaus arbeiten und sich ein paar Euro zuverdienen, doch da sagte die Arge nein, denn denn die Frau darf im Monat nur soviel Geld haben, wie sie bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 30 Stunden mit einem fiktiven Stundenlohn von 5 Euro die Stunde verdienen würde und da ihre Sozialleistungen über diesen Lohn liegen, muss sie ohne Entschädigung arbeiten. Sprich sie befindet sich in einer Schuldknechtschaft, die in Deutschland verboten ist aber durch die Hintertür wieder eingeführt wurde, denn diese Praxis ist wirklich so vom Gesetzgeber verordnet, die Arge hält sich an bestehende Gesetze und verordnet vom Gesetz gedeckt Zwangsarbeit. Das perfide an der Sache ist, die Frau möchte arbeiten, sie hat keinerlei Probleme damit für ihr Alg-II zu arbeiten, aber sie möchte sich gerne noch den ein oder anderen Euro hinzuverdienen und länger arbeiten, doch das ist nicht erlaubt. Im Klartext; Arbeit ohne Entlohnung ja, mit Entlohnung nein. Das hat auch mit gemeinnütziger Arbeit nichts mehr zu tun, dass ist Ausbeutung pur und kostet weitere Arbeitsplätze, denn mit einem Stundenlohn von Null Euro, kann kein Unternehmer mehr mithalten.

[Quelle: Volksstimme, Artikel leider nicht online]

4 Kommentare

  • 1. Wolf schrieb am 22nd January 2008 um 19:08 :

    Es ist beschämend und zwar, dass diese Praxis erst jetzt öffentlich gemacht wird. Es muss ganz klar gesagt werden, es gibt in Deutschland Sklaverei.

  • 2. eule70 schrieb am 23rd January 2008 um 00:09 :

    Was ist das denn?? Ich dachte ALG II ist Arbeits l o s e n geld? Und wer dabei etwas nützliches arbeiten will, bekommt 1 Euro die Stunde? Und diese skandalöse Vorschrift besteht von Anfang an?? Ich werd nicht mehr!!

  • 3. doerfler schrieb am 23rd January 2008 um 10:46 :

    @Wolf: Ich hab von dieser Praxis vorher nichts gewusst, es musste sich wirklich erst eine Betroffende an die Zeitung wenden. Es wirklich beschämend das so etwas verschwiegen wird.
    @eule70: Was hier alles möglich ist, dass ist einfach unglaublich. Man darf gar nicht mehr zu sehr drüber nachdenken, sonst macht es einen krank.

  • 4. Wolf schrieb am 23rd January 2008 um 18:51 :

    Vermutlich wurde die Regelung nur aus Furcht vor dem öffentlichen Aufschrei nur selten angewandt. Aber vielleicht ist die Hemmschwelle nun gesunken, oder man ist der Meinung, dass das Feld nun genug bestellt ist, so dass man es jetzt wagen kann.

Gib deinen Kommentar ab

XHTML: Du kannst folgende Tags für deinen Kommentar nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>