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So ein Schwachsinn
Wenn es wirklich so wäre, dass die Einführung des Mindestlohnes zu einem drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen würde, dann müsste die EU und ihre Nachbarn von Massenarbeitslosigkeit ohne gleichen heimgesucht werden. In fast allen europäischen Staaten gilt ein Mindestlohn, nur in Deutschland nicht und es wird sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt.
So hat sich auch mal wieder der Chef des ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, zu Wort gemeldet. (siehe Süddeutsche Zeitung) Er sieht bei einer Einführung eines Mindestlohnes 1,9 Millionen Arbeitsplätze in Gefahr. Das mag ja vielleicht sogar stimmen, aber als Grundlage nimmt er den Mindestlohn für die Postbranche. Doch von 9,80 Euro als Mindestlohn für alle Branchen war nie die Rede. Die einen fordern 7 Euro und die anderen 8 Euro, aber nie mehr. Das für die Briefträger nun 9,80 Euro gelten liegt doch daran, dass sich die Post auf einen entsprechenden Tarifvertrag mit verdi geeinigt hatte. Über die Gründe der Höhe des Mindestlohnes kann man glaube sehr lange diskutieren, nahe liegt schon der Schutz der Post.
Aber man sollte dabei nicht außer acht lassen, wie schwer die Arbeit eines Briefträger ist, bei Wind und Wetter müssen sie draußen die Briefe austragen und dürfen sich keine Fehler leisten und sie tragen dabei teilweise große Wertsachen durch die Gegend. Ihre Arbeit ist schon eine sehr verantwortungsvolle Arbeit und ohne die Briefträger würde hier einiges zusammenbrechen, insofern sollten sie wie auch die Lokführer eine entsprechende Entlohnung bekommen, denn sie leisten etwas und halten keine großen Reden, die keinerlei Nutzen haben. Dies gilt eigentlich für alle die wirklich Werte schaffen, denn ohne die Menschen die täglich zur Arbeit fahren, wäre Deutschland arm dran und das sollte endlich honoriert werden. Doch lieber werden Horrorszenarien an die Wand gemalt, damit noch mehr Menschen ausgebeutet werden können. Aber wenn Hans-Werner Sinn endlich mal seine Hausaufgaben machen würde, dann würde er die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen, denn ohne eine anständige Entlohnung, geht über kurz oder lang hier alles den Bach hinunter. In jedem Land wo die Löhne gestiegen sind, gab es auch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch wie sieht es in Deutschland aus? Hier sinken seit Jahren die Realeinkommen und der Aufschwung ist auch nur auf dem Papier vorhanden, angekommen ist er bisher bei niemanden und selbst der auf dem Papier wird immer kleiner.
In 20 von 27 EU-Mitgliedsstaaten gibt es einen Mindestlohn und dieser ist laut Hans-Böckler Stiftung alleine zum 1. Januar 2007 drastisch angestiegen. Er wird immer wieder den Lebensverhältnissen angepasst. In den mit Deutschland vergleichbaren Ländern liegt er zwischen 7 und knapp 9 Euro. Darunter sind auch Länder auf die gerne verwiesen wird, wenn es um Reformen geht. Sie haben Arbeitsmarktreformen durchgeführt, ohne Frage, teilweise auch so drastisch wie in Deutschland, aber auf der anderen Seite wurde dafür gesorgt, dass jeder der Arbeit hat, auch davon leben kann und das auch wirklich Arbeit vorhanden ist. Länder wie Irland sind mit dieser Politik mittlerweile so erfolgreich, dass sie auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind.
Nun könnte man zwar auf die Idee kommen und sagen, aber in Schweden und Finnland gilt kein Mindestlohn. Aber dort wird auch überdurchschnittlich gut bezahlt, kein Vergleich zu Deutschland, da brauchte der Gesetzgeber keinen Mindestlohn einführen, da er quasi auf freiwilliger Basis vorhanden ist.


7 Kommentare
1. Verbindulix schrieb am 13th December 2007 um 11:35 :
Daß es in anderen Ländern zurzeit besser läuft als bei uns in Deutschland ist richtig. Ich würde diese Tatsache aber nicht unbedingt auf einen Mindestlohn zurückführen.Zumindest haben diese Länder
versucht ihr eigenes Arbeiterklientel vor Billigkräften aus dem Ausland zu schützen, was ein richtiger Schritt war.
Deutschland hat das nicht geschafft.Es wurden zwar Gesetze geschaffen, aber mit so großen Schlupflöchern,daß jene leicht zu umgehen waren.Übrigens dazu noch ein hervorragender Nährboden für rechtes Gedankengut oder auch böse, denn das kann man doch nicht wirklich als gut bezeichnen
Aber das wirkliche Ziel ist eigendlich
unser Land in ein mitteleuropäisches Billiglohnexportland zu verwandeln.
2. doerfler schrieb am 13th December 2007 um 13:50 :
@Verbindulix: Die EU hat ja die Dienstleistungsrichtlinie am Ende trotz Widerstand eingeführt, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Da hatte man ja gerade in Deutschland berechtigte Angst vor den Auswirkungen dieses Gesetzes, es aber gleichzeitig unterstützt.
Wenn es aber gelingen würde, endlich die deutschen Politiker dazu zu bewegen, dass sie hier einen gesetzlichen Mindestlohn einführen würden, dann sehe die Sache schon etwas anders aus und dies könnte dann dazu führen, dass man vielleicht auch innerhalb der EU über einen Mindestlohn diskutieren würde. 20 Mitglieder haben ihn, nicht alle haben ihn aber an die Lebensverhältnisse angepasst. Der liegt dann doch deutlich unter den 50 Prozent des durchschnittlichen Einkommens. Da kann dann durchaus ein einheitlicher Prozentsatz eingeführt werden und es muss dann gleichzeitig eine Initiative geben, dass in Zukunft immer der Mindestlohn des Landes wo gearbeitet wird, gelten muss, auch in der Dienstleistungsbranche.
3. Blimp, Böse Worte schrieb am 13th December 2007 um 21:28 :
Ich missgönne Niemanden einen Mindestlohn. Egal wie hoch er auch ist! Schlimm ist an der ganzen Sache nur, dass nur um das Postmonopol zu schützen der Mindestlohn vorgeschoben wurde. Damit wurde ein wichtiger Fortschritt letztendlich geschadet um einen überkommenen Status Quo zu halten.
Das ist der Unterschied zu den anderen Ländern! So lange, wie in Deutschland die Besitzstandswahrung vor die Zukunftssicherung stellt wird sich auch nichts ändern.
4. doerfler schrieb am 14th December 2007 um 09:52 :
@Blimp: In meinen Augen ist der Mindestlohn für die Postbranche ein Versuch einen flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland zu verhindern.
Als ich von den 9,80 Euro zum ersten Mal hörte, war ich wirklich verwundert, denn so ein Mindestlohn liegt ja nun deutlich über die überall geforderten 8 Euro. Damit wird der Mindestlohn generell verhindert und die Post wird einige Konkurrenten los.
Wenn es gelingen würde, die 9,80 Euro überall einzuführen, so habe ich natürlich nichts dagegen, aber dies ist glaube utopisch, die 8 Euro waren realistischer.
5. Verbindulix schrieb am 14th December 2007 um 18:20 :
Bei dem Thema einen Mindestlohn in ganz Europa einzuführen,entsprechend angepasst der Lebensverhältnisse in dem jeweiligen Land stehe ich voll hinter dir.Dies würde Europa auch wieder etwas näher zusammenrücken lassen.Was ich jedoch weiterhin bezweifle ist,daß zwischen Mindestlohn und Wirtschaftwachstum, verbunden mit Arbeitslosenrückgang, ja sogar gepaart mit Arbeitskräftemangel in Ländern wie z.B.in Irland ein Zusammenhang besteht.Irland hat nähmlich sehr viel Förderung aus den Töpfen der EU erhalten die es sehr klug
infrastrukurell investiert hat und somit gleichzeitig ein Investorenfreundliches Klima geschaffen hat.Dies kann man ein wenig mit der Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik vor der Wende vergleichen,wo die sogenannten Zohnenrandgebiete enorm finanziell gefüttert wurden,und wo die Arbeitslosenquote weit unter dem Bundesdurchschnitt lagen.Das geht jetzt auch alles den Bach runter seit diese Förderung nicht mehr gibt.
Nochmal zum Mindestlohn 9,80 sind in der Tat utopisch für dieses Land aber 8 Euro sollten mindestens möglich sein. Die Diskusionsuntergrenze liegt ja zur Zeit bei 4,50 €. Das wäre auch utopisch. Man stelle sich vor, wenn Deutschland den Mindestlohn europaweit drücken würde. Das würde in jedem Fall doch nur den Unternehmen nützen.
6. Blimp, Böse Worte schrieb am 16th December 2007 um 21:01 :
@dörfler: Man mag mich für einen Verschwörungstheoretiker halten, aber irgendwie scheint mir die Sache zu “gut” zu passen.
7. doerfler schrieb am 17th December 2007 um 10:19 :
@Blimp: Es würde jedenfalls gut passen.
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