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Chance verpasst

Die irakische Regierung verspielt sich derzeit jegliche Chance auf einen friedlichen Wiederaufbau des Iraks.

Wer glaubt ein Unrecht durch ein anderes Unrecht vergelten zu können, der irrt.

Im Irak wurden jahrzehntelang durch Saddam Hussein die Menschenrechte mit Füssen getreten, doch die Vollstreckung des Todesurteils ist nix anderes. Auch hier werden die Menschenrechte mit Füssen getreten, doch nicht nur das. Wie kann ich einen freien Irak aufbauen, in dem es eine Demokratie gibt und rechtsstaatliches System nach westlichen Vorbild, wenn ich die Grundregeln der Rechtsstaatlichkeit missachte? Hussein hatte kein faires Verfahren, es war ein reiner Schauprozess.
Das ist der irakischen Regierung bekannt und deshalb jetzt diese Eile bei der Vollstreckung des Urteils. Sie weiß, dass der internationale Druck mit jeden Tag wächst und sie in kürze nicht mehr anders kann, als das Urteil aufzuheben. Was ja dann nicht mehr möglich ist.
Die Chance auf einen Neuanfang, so es denn überhaupt noch einen gab, ist damit verspielt. In den nächsten Jahren wird es keinen Frieden im Irak geben, soviel ist schon mal sicher.

[Quellen: Netzeitung, Spiegel Online]

4 Kommentare

  • 1. apollon schrieb am 29th December 2006 um 13:37 :

    Zunächst: Ich bin grundsätzlich gegen die Todesstrafe. Das gilt also auch für diesen Verbrecher. Auf der anderen Seite glaube ich nicht daran, dass die Vollstreckung des Urteils irgendwas im Irak auslösen könnte. Den Menschen ist das vermutlich egal bzw. viele werden das Todesurteil sogar begrüßt haben - denke ich.

    Mit dem brutalen Bürgerkrieg, der im Irak läuft und mit den Duzenden von Toten, die täglich dort zu beklagen sind, werden die Menschen dort wahrhaftig genug zu tun haben.

    Mich würde wirklich brennend interessieren, welche Vorstellungen die USA für das kommende Jahr und darüber hinaus für den Irak haben. Natürlich kann es so nicht weitergehen. Vielleicht werden sie tatsächlich auf die Vermittlung der Nachbarstaaten angewiesen sein und die Einbeziehung des Irans und Syriens als Ausweg in ihre Überlegungen einbeziehen. Der Krieg wird jedenfalls zunächst weitergehen - soviel ist sicher. Die Al-Qaida hat ein “Betätigungsfeld” gefunden. Für die Entwicklung haben die Amerikaner und ihre Verbündeten die Verantwortung zu tragen.

  • 2. doerfler schrieb am 29th December 2006 um 13:59 :

    @apollon: Die eine Hälfte der Iraker begrüßt das Urteil, was ich auch auf Grund der Taten von Saddam nachvollziehen kann. Und die andere Hälfte lehnt das Urteil.
    Da bleibt dann die spannende Frage, wie werden sie reagieren?
    Die derzeitige Situation ist ja bereits sehr verwirrend und so richtig weiß niemand, wer nun eigentlich gegen wem kämpft. Aber was kommt dann? Entweder es bleibt so wie bisher, oder es wird noch schlimmer. Schlimmer geht es zwar kaum noch, aber falls es so kommen sollte, so mag ich mir das gar nicht vorstellen.
    Von daher ist eine Vollstreckung des Urteil, der blanke Wahnsinn.
    Das mit der Einführung der Todesstrafe der Irak sowieso den falschen Weg gegangen ist, dass ist eh klar, die Todesstrafe verstößt gegen die Menschenrechte und mir wäre es lieber, die Regierungen weltweit hätten genügend Mum und würden alle (!!!) Staaten wo es die Todesstrafe gibt, isolieren.
    Was wird aus dem Irak? Wahrscheinlich ist der Irak nicht mehr zu retten. Mit etwas mehr Verstand im Kopf, hätte das alles vermieden werden können und Hussein würde dennoch in Kürze auf der Anklagebank sitzen, aber in Den Haag.
    Warum hat man nicht gewartet, bis sich eine starke politische Kraft entwickelt hat, dabei hätte der Westen mithelfen können. Die wäre zwar nur mit Iran und Syrien gegangen, aber das ganze Blutvergiesen hätte vermieden werden können.
    Nein man begeht den gleichen Fehler wie in Afghanisten, Regime stürzen und schwache Marionetten einsetzen und schon ist der Bürgerkrieg da.
    Sie müssen jetzt mit Syrien und den Iran verhandeln. Damit wäre zwar das Problem von Al-Quaida nicht gelöst, aber der Bürgerkrieg wäre beendet. Beide Staaten haben einen großen Einfluss auf die verfeindeten Gruppen und könnten sie stoppen.
    Es ist auch nicht im Interesse beider Staaten, wenn sich aus dem Irak ein Gottesstaat entwickelt. Klingt zwar paradox, aber dieser Staat würde sich dann auch gegen den Iran und gegen Syrien stellen.

  • 3. herr axel schrieb am 29th December 2006 um 17:04 :

    die situation iraks einmal völlig ausser acht gelassen, vertrete auch ich den standpunkt, dass die todesstrafe in keinem land dieser welt ihre daseinsberechtigung geniesst. keiner stellt in frage, dass und vor allem in welcher art und weise und in welchem ausmaße saddam hussein greueltaten begangen hat. und dennoch: nichts aber auch gar nichts rechtfertigt die these, gleiches mit gleichem zu vergelten. nicht in einer welt, in der demokratie als die höchste staats- bzw. gesellschaftsform (vermutlich zu recht) angesehen oder angestrebt wird. länder, in denen die todesstrafe als sanktion angewendet wird, haben mit dem demokratiegedanken nichts gemein - heute nicht, morgen nicht.

  • 4. doerfler schrieb am 29th December 2006 um 20:12 :

    @herr axel: Da kann ich nix mehr hinzufügen.

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