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Lesetipp zur Situation im Kongo

In gut zwei Wochen endet das Mandat der EUFOR-Truppen im Kongo, danach sollen sie abgezogen werden. Damit wird dann das Kongo-Abenteuer der Bundeswehr wieder zu Ende sein und glücklicherweise ohne die befürchteten toten Soldaten. (siehe Basler Zeitung)
Es hätte auch ganz anders ausgehen können, man kann eigentlich nur sagen, Glück gehabt. Denn mehr war es nicht, es war einfach nur Glück.

Doch ist im Kongo nun die Demokratie ausgebrochen, ist der Bürgerkrieg beendet, hört der Massenmord und das Massensterben nun auf?

Wenn man auf die Politiker der EU hört, anscheinend ja. Ihr Favorit hat gewonnen und Diktator Joseph Kabila kann weiter herrschen. Damit kann auch der Kongo weiterhin ausgebeutet werden.
Für die Menschen ändert sich nix, es wird keinen Frieden geben und erst recht keine Demokratie.
Das die Situation einen Pulverfass gleicht, dass zeigt auch das Wochenende. In Kinshasa, der Hauptstadt, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen mit mehreren Toten. (siehe Der Standard)

Doch auch so steckt der Kongo in einen Dilemma, dem Land fehlen die Demokraten, die auch vom Westen unterstützt werden. Der Westen unterstützt nur die Klasse von Politikern, die auch korrupt genug sind und zulassen, dass der Kongo weiterhin ausgebeutet werden kann. Politiker die dem Kongo helfen wollen, werden bekämpft und ermordet, siehe Lumumba oder einfach fallen gelassen.
Der Kongo kann so nie ein demokratischer Staat werden.

Die Demokratische Republik Kongo, ein Land mit enormen menschlichen und natürlichen Ressourcen, leidet grausam unter dem Mangel an demokratischer politischer Kultur. Es ist folglich schwierig, sich die Ausbreitung eines demokratischen Zeitalters in diesem wichtigen Land in naher Zukunft vorzustellen. Ohne Demokraten in den kongolesischen politischen Institutionen und an der Spitze des Staates ist es unmöglich, von einer Demokratie in Kongo-Kinshasa zu sprechen. Müssen die Kongolesen und die EU-Bürger diese Wahrheit verdrängen, die dem Niedergang des großen afrikanischen Land Kongo/Zaire zugrunde liegt?” (siehe Linkszeitung)

Auf den Artikel aus dem ich dieses Zitat habe, möchte ich einfach mal verweisen. Denn was Jimmy Kenga dort geschrieben hat, ist äußerst lesenswert und lässt einen auch verstehen, warum die Lage im Kongo so ist, wie sie derzeit ist. Nämlich fast hoffnungslos.

2 Kommentare

  • 1. Jimmy Kenga schrieb am 1st February 2007 um 16:08 :

    APPEL an
    die Freunde Afrikas
    die Freunde der DR Kongo
    die Bundestagsabgeordneten

    RD Kongo: Rückwarts statt vorwärts
    Reaktionäre Kleiderordnung in die Mottenkiste!

    Nach der Wahlfarce von 2006 hat das neu gewählte Parlament im Kongo anscheinend nichts Dringenderes und Wichtigeres zu tun als einen Beschluss zu ergreifen, der weiblichen Abgeordneten in Hosen in dem von den Männern dominierten kongolesischen Parlament
    (458 Männer / 42 Frauen) das Rederecht abspricht.

    Weibliche Abgeordnete, die Hosen tragen, sind also nicht würdig, in einem von EU-Geldern finanzierten Parlament zu reden. Da müsste doch eigentlich ein Aufschrei des Protests durch die EU gehen, und ganz besonders durch Deutschland – schließlich trägt die deutsche Bundeskanzlerin zumindest in der Öffentlichkeit nichts anderes!

    Wo leben wir eigentlich? In Kongo-Kinshasa haben die Menschen auf der Straße kein Verständnis für solche diskriminierende Beschlüsse. Nicht allzu lang haben die Zairer / Kongolesen unter den willkürlichen Kleidungsverboten der Diktatur Mobutu leiden müssen. Von 1971 im Zuge der Politik der Authentizität der Einheitspartei MPR bis 1990 waren es den Frauen verboten, Hose und Röcke zu tragen, und Männer keine Krawatten.

    Dank des Kampfs der demokratischen Kräfte Zaire/Kongo unter dem Leaderchip der Partei UDPS wurden solche diskriminierenden Beschlüsse 1990 aufgehoben. Während der Nationalkonferenz CNS 1990 erkämpften sich die kongolesischen Männer und Frauen ihre Grundrechte zurück. Das Tragen von Krawatten wurde daraufhin sogar zum Markenzeichen der Oppositionellen, und Frauen in Hosen demonstrierten ihre Freiheit und Selbstbewusstsein in der Öffentlichkeit.

    Jetzt ist sofortige Solidarität gefragt: Freunde und Freundinnen Afrikas und insbesondere die weiblichen Bundestagsabgeordneten sollten diesen diskriminierenden Beschluss des neuen Parlaments in Kinshasa aufs Schärfste verurteilen. Denn: wehret den Anfängen - erst sind die weiblichen Abgeordneten der Nationalversammlung im Visier, dann werden die weiblichen Beamtinnen dran sein. Später wird den Studentinnen und Schülerinnen das Hosentragen ebenfall verboten werden.

    Die amateurhafte Politik des neuen Kongo unter der Führung ehemaliger bewaffneter Rebellen wird noch für manche böse Überraschung gut sein!

    Jimmy Kenga
    Koordinator
    Initiative AFRIKA 2000, Wuppertal
    —————————————-

    Presse-Echos:

    Die Tageszeitung Berlin, Fr. 26.01.2007

    Das neue Parlament der Demokratischen Republik Kongo hat verfügt, dass weibliche Abgeordnete kein Rederecht haben, wenn sie Hosen tragen statt Kleider. Wie die auf den Aufbau demokratischer Institutionen spezialisierte Wochenzeitung Le Journal du Citoyen in ihrer neuesten Ausgabe berichtet, fiel die Entscheidung mit 458 gegen 42 Stimmen, trotz Warnungen des ersten Vizepräsidenten Christophe Lutundula vor einer “Talibanisierung”. Der Abgeordnete Cyril Manzembele warnte vor einem “Verfall der Sitten, der von eng anliegenden Hosen ausgeht”. Seine Gegnerinnen nannten den Beschluss verfassungswidrig. Die Abgeordnete Vicky Katumwa forderte ihre männlichen Kollegen auf, “ihren Sexualtrieb unter Kontrolle zu kriegen”; Colette Tshomba wies darauf hin, dass auch Angela Merkel Hosen trage. (D.J/taz)

  • 2. Jimmy Kenga schrieb am 6th October 2010 um 16:40 :

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Liebe Freunde Afrikas,

    Die Demokratische Republik Kongo kommt nicht zur Ruhe 4 Jahre nach der Wahlmaskerade von 2006.

    Die Lage in den östlichen Provinzen Kongos( Kivu-Provinzen und Orientale) bleibt weiterhin besorgniserregend. Die zahlreichen bewaffneten Gruppen plündern das Land und töten willkürlich die kongolesische zivile Bevölkerung. Es herrscht überall im Kongo ein Klima der Unsicherheit.

    Die Regierung Kabilas trotz Unterstützung der UN-Mission (MONUSCO) hat versagt. Die kongolesische Armee und die nationale Polizei sind dieser Aufgabe nicht gewachsen. Die grausame Massenvergewaltigung als Waffe von mehr als 500 Frauen im September 2010 im Ostkongo hat die Weltöffentlichkeit schockiert. Die gescheiterte Reform der kongolesischen Sicherheitskräfte kommt nun zum Tageslicht. Dabei ist zu bedenken, dass die Europäische Union bei dieser Armeereform im Rahmen der EU-Beratermission bei Kongos Militär (Eusec) mitwirkt. Aber solange ehemalige kongolesische Warlords wie der Polizeichef General John Numbi, der Heereschef General Tango Amisi usw… das Land und die Sicherheitskräfte leiten, wird nichts Gutes heraus entstehen.

    Der am 01. Oktober 2010 erschienene Bericht der UN-Kommission für Menschenrechte über den Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo sorgt bereits für Unruhe in Kinshasa, Kampla und Kigali. Denn die jetzigen Machthaber Museveni, Kagame und Kabila haben gewiss sehr viel zu verbergen wegen ihrer aktiven Rollen in den Kriegsverbrechen und schlimmen Menschenrechtsverletzungen in den beiden Kongo-Kriegen (1996-2002).

    Trotz alldem hoffen die Kongolesen endlich auf einen demokratischen Machtwechsel bei den kommenden Wahlen im nächsten Jahr 2011. Die Zeit der Warlords in Anzügen in Afrika ist abgelaufen. Wie Etienne Tshisekedi in seinem jüngsten Interview im Magazin Jeune Afrique u.a. sagt:… ” Es ist nicht normal, dass der Kongo fünfzig Jahre nach der Unabhängigkeit immer noch kein Rechtstaat ist. Das Regime hat keine Vision für die Zukunft und die Regierungsmitglieder denken nur an eins - an ihre Taschen so schnell wie möglich voll zu machen -. ”

    Es ist an der Zeit, Druck auf das korrupte Regime Kabilas auszuüben und sich für einen fairen Wahlprozess 2011 einzusetzen.

    Jimmy Kenga
    Koordinator
    Initiative AFRIKA 2000, Wuppertal

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