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Kritik an Todesurteil wächst

Einen Tag nach der Verkündung des Todesurteils gegen Saddam Hussein, wächst die Kritik am Urteil.

Mittlerweile hat sich auch der engste Verbündete der USA Tony Blair gegen die Todesstrafe ausgesprochen. (siehe Netzeitung)
Die UN, sowie die EU lehnen das Urteil, wie viele viele andere Staaten ab.

Denn eines muss festgehalten werden, die Todesstrafe hat in einer zivilisierten Welt nix mehr zu suchen, sie verstößt gegen die Menschenrechte und damit auch gegen alle Grundwerte, die wir besitzen.
Sicherlich hat Hussein, wegen seiner Verbrechen diese verdient, doch Rache ist ein schlechter Ratgeber und löst auch keinerlei Probleme.
Natürlich würde er bei einem Verfahren, nach unseren Standards, ein Privileg genießen dürfen, was seine Opfer nie hatten. Er hätte ein faires Verfahren bekommen, welches auch der Menschenrechtskonvention unterliegt. Das wäre schon für Saddam eine Strafe gewesen. Aufgrund seiner Verbrechen wäre er auch schuldig gesprochen wurden, ohne Zweifel, aber das Urteil hätte Lebenslang gelautet und Hussein dürfte für den Rest seines Lebens über all seine Taten nachdenken. Doch so stirbt er als Martyrer.
Seine Anhänger werden, falls es zur Vollstreckung kommen sollte, seinen Tod rächen. Das was wir heute jeden Tag im Irak erleben, ist nur ein Vorspiel dessen, was noch kommen wird.

Die USA haben eine riesengroße Chance zur Befriedung des Landes verspielt, anstatt im Irak ein demokratisches System, welches auch die Menschenrechte achtet, aufzubauen, wurde ein System der Barbarei ermöglicht. Fast täglich werden im Irak Menschen hingerichtet, darunter sogar Kinder, doch Kritik daran ist nicht zu vernehmen.
Im Gegenteil die Todesstrafe als solche wird begrüßt.
Dabei gehört die Todesstrafe für alle Zeiten abgeschafft.

[Quellen: Netzeitung, Financial Times Deutschland, Der Standard]

10 Kommentare

  • 1. Thomas schrieb am 6th November 2006 um 16:23 :

    Ich sag’s nochmal, du willst die Lage zu dramatisch sehen. Für wen ist Saddam denn dann ein Martyrer? Für die Bevölkerung des Iraks? Wohl kaum, die Schiiten und Kurden werden ja wohl eher jubeln, den Christen wird’s egal sein, weil sie andere Probleme haben, und die religösen Suniten werden sich auch freuen. Martyrer ist er nur für die radikalen Suniten und die durch seine Hinrichtung noch zusätzlich zu radikalisieren dürfte schwer möglich sein. Mir ist deine Rede hier ein bisschen zu plump, oder besser, zu schwarz-weiß.

    In der Todesstrafe sind wir einer Meinung, die darf nicht sein. Aber was wäre z.B. bei einem fairen Verfahren vor einem internationalen Gerichtshof rausgekommen. Ein Schuldspruch hätte die gleichen Auswirkungen, vielleicht noch ein bisschen negativer, frei nach dem Motto, die Amerikaner (und für die Radikalen dort sind wir das auch) tun nicht mal so, als ob sie uns die Aufarbeitung der Diktatur überlassen.

  • 2. doerfler schrieb am 6th November 2006 um 16:39 :

    @Thomas: Der Irak ist in viele Gruppen aufgeteilt, die untereinander verfeindet sind. Das gilt auch für die Lager innerhalb der Schiiten, wie auch innerhalb der Sunniten, dazu kommt noch Al-Kaida.
    Bisher war es aber so, dass gerade das ehemalige Hussein Lager sich doch sehr zurückgehalten hat, was nun nicht mehr der Fall sein wird. Der Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten wird nun vollends ausbrechen.
    Denn bisher waren gerade die Sunniten die Opfer.
    Die Lage im Irak ist heute bereits mehr als dramatisch, aber wenn Hussein hingerichtet wird, dann gibt es dort kein halten mehr.

    Was wäre bei einem Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof oder zumindestens nach internationalen Standards anders? Er wäre auch verurteilt wurden, da gibt es keinen Zweifel und etwas würde ich wohl auch nicht fordern, doch es muss immer ein fairer Prozess sein und das hier war eine reine Farce, aber kein Gerichtsprozess.

  • 3. Thomas schrieb am 6th November 2006 um 16:54 :

    @doerfler: Nochmal, wo bleibt deine gefürchtete Radikalisierung. Die Behauptung, dass die Sunniten bis jetzt hauptsächlich Opfer waren ist übrigens schlicht falsch. Das Gegenteil ist eher der Fall, weil sie fürchten in einem Einheitsstaat von den Shiiten beherrscht zu werden, sind sie in Sachen Bürgerkrieg und Terrorismus weit vorn dabei. Al Kaida wird ja letztlich von den Sunniten getragen, nicht den Schiiten.

  • 4. doerfler schrieb am 6th November 2006 um 17:08 :

    @Thomas: Sorry, mein Fehler natürlich sind die Schiiten die bisher am meisten betroffene Volksgruppe.
    Doch egal ob Schiiten oder Sunniten, jede unterteilt sich noch einmal in mehrere Lager, die sich untereinander auch nicht Grün sind.
    Unter den Sunniten gibt es ebenfalls sehr viele, die das Urteil begrüßen, da Hussein nun wirklich nicht gerade für sein religiöse Ader bekannt war. Die Sunniten haben auch nicht für eine Rückkehr Husseins gekämpft.
    Aber jetzt werden die kommen, die für ihn kämpfen werden und damit zerbricht auch dieses Lager, dass der Schiiten ist bereits zerbrochen, ein Teil kämpft bereits zusammen mit den Sunniten gegen die Amerikaner.

  • 5. njus schrieb am 6th November 2006 um 20:04 :

    Tja leider ist die momentane Regierung dafür um so religiöser. Dieser “Kampf gegen den Islam” ist da recht absurd, denn komischerweise bewirkt er fast überall direkt (wie im Irak) oder indirekt (Afghanistan) das genau Gegenteil.

  • 6. doerfler schrieb am 6th November 2006 um 20:21 :

    @njus: Also was in den Ländern so alles geduldet, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Dem Iran will man die Sharia verbieten (zu Recht), aber in Afghanistan und auch im Irak da wird sie geduldet und gilt als Musterbeispiel für Demokratie.

  • 7. Thomas schrieb am 7th November 2006 um 00:33 :

    Also bitte, wenn wir schon plumpe Vorurteile dreschen wollen, dann doch zumindest mit richtigen Argumenten. Weder im Irak noch in Afghanistan wird die Sharia geduldet - was nicht heißt, dass sie nicht vorkommen. Eure kleine Argumentation wäre zumindest korrekt, wenn ihr Saudi Arabien als Beispiel nehmen würdet, ist ja auch ein treuer Verbündeter der Amerikaner.

  • 8. schoko-bella schrieb am 7th November 2006 um 18:36 :

    todesstrafe ist unmenschlich und überholt. dieses werkzeug spiegelt die ohnmacht und die skrupellosigkeit dieses volkes und deren präsidenten wider. amen.

  • 9. doerfler schrieb am 7th November 2006 um 21:31 :

    @Thomas: Das die Sharia Anwendung findet, ist Beispiel genug.
    @schoko-bella: Es hat sich im Irak nix geändert. Zivilisierte Menschen haben die Unmenschlichkeit der Todesstrafe schon vor Jahren erkannt.

  • 10. Thomas schrieb am 9th November 2006 um 23:34 :

    @doerfler: Hmm, stimmt schon. Aber ich scheue mich davor “Handlungen zu dulden” mit “nichts dagegen tun können” gleich zu setzen. Zumindest in solchen Extremsituationen. Das gebietet meine relativierende Fairness. ;-)

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