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Daran sind wir selber Schuld

Was war das gestern für eine Aufregung, nach dem die Berliner Rütli-Hauptschule, scheinbar vor der Gewalt kapituliert hat.

Das Entsetzen danach war groß, meistens war es aber nur ein geheucheltes Entsetzen, welches da an den Tag gelegt wurde. Da sich ja Berlin langsam auf den Wahlkampf vorbereitet, versuchen sich nun die einzelnen Politiker zu profilieren. Ganz schick ist es ja die Schuld einzig und allein auf die Muslime zu schieben. Genauso schick ist es, auf Gewalt mit Gewalt zu reagieren. Der Berliner Spitzenkandidat der CDU, Friedbert Pflüger, fordert gleich einmal eine sogenannte Task-Force wie sie auch bei der Terrorbekämpfung zum Einsatz kommt. (siehe Netzeitung) Wählerstimmen gerettet, jetzt den starken Mann spielen und Null-Toleranz zeigen, erst recht gegen Ausländer, dass kommt an.

Doch sind damit die Problem gelöst?

Kann eine Polizeieinheit den Schülern rechnen und lesen beibringen? Bringen die auch gleich die Schulbücher mit?
Werden die Hauptschulen dann auch durch die Polizei saniert?

Ein Kommentar von Tanjev Schultz in der Süddeutschen Zeitung, beschreibt einen Teil der Probleme. Die Politik hat sich nicht um die Hauptschulen gekümmert. Man hat die Kinder dort reingesteckt und sich nicht mehr um sie gekümmert. Der Staat und die Gesellschaft hat sich diese Probleme nun selbst produziert.

Doch es betrifft nicht nur Kinder von Migranten, deutsche Kinder sind nicht viel besser.

Wer sich einmal die Zustände an den Kindergärten vor Augen anschaut, der weiss was uns in den nächsten Jahren noch blüht. Kindergärtnerinnen werden getreten, bespuckt und beschimpft und sie müssen dazu noch danke sagen. Viele Eltern kümmern sich nicht mehr um ihre Kinder, zu Hause sitzen sie den ganzen Tag vor den Fernseher, kommen sie ins Schulpflichtige Alter, schwänzen sie.

Viele dieser Kinder landen am Ende auf den Hauptschulen, ohne Perspektive, ohne Zukunft. Das wissen sie, somit ist es ihnen auch egal, dass sie in die Kriminalität abrutschen. Für einige von ihnen ist es ein letzter Hilferuf, für die anderen die einzige Möglichkeit zu überleben.

Eine Möglichkeit um den Vorzubeugen, wäre die zum Anschaffung der Hauptschule. (siehe taz)
Das wäre dann endlich das Ende der Selektierung. Gute Schüler werden gefördert, schlechte abgeschoben. So sieht doch unser System derzeit aus.
Ob es nun Kinder von Mirganten sind oder von Langzeitarbeitslosen, die meisten landen dann auf den Hauptschulen. Das erklärt dann auch den große Anteil der ausländischen Schüler und der Rest kommt aus sozialschwachen Familien.

Aber diese Wahrheit wird von den Politikern der CDU und auch der CSU ignoriert, dass wollen sie nicht wahrhaben. Sie wollen weiterselektieren und die jenigen die dann aus die Gesellschaft gestoßen wurden, die sollen dann mit Polizeimitteln bekämpft werden. Was für eine Logik.

Dann wird natürlich auch noch gerne auf die fehlende Integrationsbereitschaft verwiesen.

Stellen wir uns mal folgendes vor. Klein-Klaus kommt von der Schule und bringt einen neuen Freund mit, Klein-Ali. Da gucken die meisten Eltern aber reichlich dumm aus der Wäsche. Sie versuchen dann Klein-Klaus zu überreden, sich einen neuen Freund zu suchen. Klein-Klaus macht das und Klein-Ali ist traurig, die Eltern von Klein-Ali ebenfalls und sie sagen ihm, dass er nie sich wieder einen deutschen Freund suchen soll.

Dann wird auch gerne die fehlende Deutsch-Kenntnis bemängelt.
Wie sollen diese Kinder den Deutsch lernen? Die Eltern, sprechen selber kaum Deutsch, da wir ihnen die Kurse verweigern.
Vor einigen Jahren wurde es dann mit einmal in Deutschland Mode, nicht mehr richtig deutsch zu sprechen. Ach was lachten wir zum Beispiel über Erkan und Stefan, die konnten nicht richtig deutsch sprechen und haben nur Mist gemacht. Aber das war gut, wir haben sie bejubelt.
Das sie zu Vorbildern wurden, braucht uns doch nicht zu wundern.
Gleiches gilt aber für die deutschen Kindern, viele können ebenfalls kaum noch deutsch. Wenn ich mir die Jugendlichen im Fernsehen anhöre, ich verstehe kaum ein Wort von dem was sie sagen. Aber das wird bejubelt.

Und dann wundern wir uns mit einmal, wieso wir bei Pisa so schlecht sind, wieso die Gewalt immer weiter steigt und wieso Schulen zu Drogenumschlagplätzen geworden sind.

Das hätten wir alles verhindern können, aber wir haben es nicht gemacht.
Tja und nun in Wahlkampfzeiten, ist es immer gut mit flotten Sprüchen daher zu kommen und die Schuld auf die anderen zu schieben und wenn man sich nicht zu helfen weiss, ja dann wird ein Hammer genommen.

8 Kommentare

  • 1. Wolf schrieb am 31st March 2006 um 11:37 :

    Du hat die CDU/CSU erwähnt, die anderen drei Parteien, die in den letzten 20 Jahren an den Regierungen beteiligt waren, brauchen sich da aber nicht verstecken. Denn die haben genauso ihren Anteil an dem, was jetzt ausbricht.
    Ich habe es ja schon bei Wilhelm geschrieben, das ist meines Erachtens einfach der Ausbruch der Entwicklung der letzten 20 Jahre. Es fehlt den Kinder die Perspektiven und das Wissen um Werte und Normen. Das hat überhaupt nichts mit dem Glauben oder der Staatsangehörigkeit zu tun. Diese falsche Entwicklung geht durch alle Klassen.
    Es soll mir keiner damit kommen, dass man sich nicht integrieren will. Das ist doch nur ein Nachgerede des Politikergewäsches. Die meisten wollen doch hier nur in Frieden leben und haben gar kein Verlangen danach Deutscher zu werden. Warum auch, was hat man für einen Vorteil daraus? Last sie doch in ihren “Ghettos” leben. Das machen die ausgewanderten Deutschen im Ausland übrigens genauso. “Wir” brauchen da gar nicht mit Steinen im Glashaus werfen. Übrigens ist die “Ghettobildung” doch von den Deutsche mit gefördert worden. Was ist denn gewesen wenn ein Türke eine Wohnung in einem “bessern” Wohngebiet mieten wollte?
    “Nein, Türken wollen wir hier nicht!”
    Das haben sie doch oft genug zu hören bekommen. Übrigens soll mir keiner kommen und sagen, ich hätte keine Ahnung davon. Bei uns hier im Stadtteil liegt der Anteil der ausländischen Mitbewohner bei ca. 40 %. Allerdings haben die hier Glück gehabt. Ja, sie haben Glück gehabt. Hier wurde ihnen nämlich nicht mit Ablehnung begegnet. Hier war jeder willkommen, ohne das er seine Herkunft verleugnen und seine Identität aufgeben mußte.
    Das Nebeneinander geht hier sogar so weit, dass gemeinsame Feste und Gottesdienste gefeiert werden. Und glaubt nicht, dass die Moschee leer wäre. Die platzt genauso aus allen Nähten wie die ev. Kirche und die Besucher sind bunt gemischt. Die kath. Kirche hält sich übrigens bei solchen Aktivitäten vornehm zurück.

  • 2. doerfler schrieb am 31st March 2006 um 12:17 :

    @Wolf: Ich habe die CDU/CSU nur erwähnt, weil sie sich jetzt so aufspielen. Die anderen halten sich etwas zurück.
    Aber sind genauso schuldig an der Misere. Ich schließe da auch meine Partei mit ein.
    Ich bin auch mal kurz auf die Situation in den Kindergärten eingegangen. Das ist einfach nur noch eine Katastrophe, wenn man sich dann mal vor den Augen hält wieviel psychische gestörte Kinder wir mittlerweile in Deutschland. Das hat doch Ursachen, falsche Ernährung (schon bei den Eltern), dann die ganzen neumodischen Lebensmittel, die Kinder bekommen viel zu viel Chemie. Dann die ganzen neumodischen Erziehungsmethoden, also ob die so gut sind ich weiss nicht.
    Viele Eltern sind auch schlicht und einfach mit der Situation total überfordert, dass ist aber nicht ihre Schuld. Sie werden vom Staat komplett alleine gelassen.
    Deshalb müsste es wirklich so etwas wie eine Mütterberatung geben und die Arztpflicht im Kleinkindalter, die halte ich für unentbehrlich. Also da würde sich vieles mit beheben lassen.
    Aber leider nicht alles.
    Dann der bemängelte Integrationswillen, da sind wir beide einer Meinung, sehr oft sind auch wir Schuld dran.
    Wir haben hier nun im Osten nun so viele türkisch stämmige Mitbürger (da fängt es schon, fast alle bezeichnen sie nur als Türken, aber nicht als Mitbürger), dass ist historisch bedingt. Aber soviel habe ich nun auch schon mitbekommen gehabt, als im Westteil der Republik vor Jahrzehnten die Migranten nach Deutschland geholt wurden, hatte man sie nur deshalb haben, damit sie die Drecksarbeit erledigen sollen. Das haben sie auch gemacht und zum Wohnen wurden sie in ein zwei Stadtteile gesteckt, niemand wollte sie in seiner unmittelbaren Nachbarschaft haben.
    Damit wahr der Nährboden für die heutigen Probleme gelegt. Das Schulen in diesen Stadtteilen einen hohen Anteil ausländisch stämmiger Schüler hat ist einfach nur logisch.
    Ich bin auch der Meinung, dass in Orten wo die Menschen keinerlei Berührungsängste voreinander haben, wo man offen gegenüber neuen ist, dass es dort viel weniger Probleme gibt.
    Ja und im Osten ist die Quote der Mirgranten geringer, aber es gibt auch hier Orte wo das Zusammenleben klappt und wo es nicht klappt. Beides hängt vom Willen beider Seiten ab. Wenn ich von vornherein die Einstellung habe, die wollen ja nicht, dann klappt das auch nicht.
    So hat das bei uns im Dorf mit den ehemals ausländischen Familien sehr gut geklappt, die sind ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft und in den anderen Dörfern ist das genauso.
    Aber es gibt dann leider auch wieder Orte wo das nicht klappt, wo diese Menschen ausgegrenzt werden und die Kinder bilden dann die entsprechenden Gruppen, wo sie unter sich sind.
    Und dann noch ein bisschen was persönliches, ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass sehr viele Migranten wirklich hilfsbereit sind und bei Bedarf helfen wo sie nur können und wenn sie dann ein Danke dafür bekommen, dann sind sie überglücklich. Sie sind auch teilweise viel freundlicher, als die Deutschen und viel offener. Man muss halt nur den Willen haben, wirklich mit ihnen in Kontakt treten zu wollen.
    Das es da unterschiedliche Kulturen gibt, dass ist doch völlig klar, aber das kennenlernen dieser Kultur kann sehr interessant sein und diese Erfahrung sollten viele sammeln.
    Aber die heute immer die Schuld einzig und allein bei den Ausländern suchen, die haben diese Erfahrung nie gesammelt.

  • 3. Wolf schrieb am 31st March 2006 um 13:02 :

    Es ist ja viel einfacher die Fehler bei anderen zu suchen als sich mal an die eigene Nase zu fassen und mal zu überdenken, ob man nicht selber Fehler gemacht hat.
    Hat mal ein intelligenter Mensch gesagt, “Jeder Mensch ist irgendwo ein Ausländer”

    Ihr habt im Osten der Republik doch auch genug Probleme mit den ausländischen Mitbürgern gehabt. Denn zur Zeit der DDR wurden doch auch genug Vertragsarbeiter ins Land geholt. Die Viatnamesen sind doch auch abfällig als Fitschies bezeichnet worden. Der einzige Unterschied dabei ist, dass man wohl den überwiegenden Teil nach der Wiedervereinigung wieder nach Hause geschickt hat.

  • 4. doerfler schrieb am 31st March 2006 um 13:20 :

    Das stimmt, auch wir haben diese Fehler gemacht.
    Auch wir im Osten haben Menschen ausländischer Herkunft nicht immer gleichberechtigt behandelt und sie nur zum arbeiten hergeholt.
    Aber und das ist wirklich lobenswert, mittlerweile haben wir die hier lebenden Vietnamesen aufgenommen, viele von ihnen haben deutsche Freunde gefunden, ihr Lebensmittelpunkt ist Deutschland.
    Ich weiss nicht woran das liegt, warum es miteinmal geht. Ich weiss es nicht.
    Das einzige was traurig ist, dass immer wieder diese Familien abgeschoben werden. Die Kinder werden in Land geschickt, welches sie nicht kennen, dessen Sprache sie kaum noch sprechen, wo sie keine Freunde haben. Ja wo sie eigentlich nicht einmal mehr erwünscht sind.
    Aber egal, ein paar Ausländer weniger. Dieser Eindruck entsteht bei mir, wenn ich mir die Abschiebepraxis anschaue.

  • 5. bloggnjus schrieb am 31st March 2006 um 14:28 :

    Wichtige Hintergrundinfo: Die Schulleiterin ist wohl seit längerem krank (weiss leider nicht ws sie hat) aber es scheint da noch ein paar andere Gründe zu geben. Ich wäre da vorsichtig alles auf die Schüler zu schieben.

  • 6. doerfler schrieb am 31st March 2006 um 14:40 :

    Die Erkrankung der Schulleiterin möchte ich auch gar nicht auf die Schüler schieben. Es kann sein, dass sie eine Mitschuld tragen, aber das halte ich für unwahrscheinlich.
    Dann müssten an anderen Schulen die Lehrer ebenfalls reihenweise erkrankt ausfallen.
    Die Zustände in der Neu-Kölner Schule sind nicht anders, als an anderen Schulen.
    Deshalb auch mein Hinweis auf den bevorstehenden Wahlkampf. Hier versuchen sich nun einige Politiker zu profilieren.
    Ohne aber die Ursachen der Probleme zu bekämpfen.
    Die brauche ich nicht noch einmal aufzuzählen.

  • 7. Wolf schrieb am 31st March 2006 um 14:48 :

    Es ist du im Grunde uninteressant, ob und wie lange die Schulleiterin ausfällt. Wenn sie länger nicht an ihrem Arbeitsplatz sein kann, dann muß man als vorgesetze Behörde verdammt noch mal den Platz kommisarisch besetzen. Zumal ja wohl der Posten des stellvertretenden Leiters schon seit langem unbesetzt ist.
    Was mich an der ganzen Geschichte so maßlos ärgert ist, dass die Behörden jetzt wieder, nachdem die Öffentlichkeit und die Medien eingeschaltet wurden, in “panischen Aktionismus” verfallen. Die Zustände gehe ja schon viel länger und es kann mir keiner erzählen, dass die Schulleitung nicht schon viel eher um Hilfe gebeten hat.

  • 8. doerfler schrieb am 31st March 2006 um 14:57 :

    Tja, eine Antwort auf diese Frage suche auch schon lange. Hat die Schule die Behörde informiert und hat dann das Amt geschlafen? Oder war dieser Medienwirksame “Hilferuf” die erste Reaktion der Schule? Wenn ja warum so?
    Normalerweise müsste die Behörde einen Schulleiter bestellen. Aber ich weiss jetzt leider nicht wie lange ist die Schulleiterin bereits krank? Vielleicht bestand ja noch kein Handlungsbedarf in diesen Sinne?
    Insgesamt viele offene Fragen.
    Dennoch ist diese Aktion vielleicht mal ganz gut, denn ich hoffe doch sehr, dass endlich ein Nachdenken über Ursachen einsetzt und nicht in blinden Aktionnismus verfallen wird.
    Ich möchte gleich einmal einen Blick auf eine Schule (keine Haupschule, sondern eine integrierte Gesamtschule, also Realschule und Gmynasium) in MD werfen, die geriet bei uns vor einiger Zeit in Verruf. Dort wurden Drogen und Waffen bei den Schülern gefunden, man ist nicht sofort in blinden Aktionismus verfallen. Ja und ich möchte sagen, es hat sich vieles gebessert. Was ich auch hoffen will, denn sonst könnte ich nicht mehr so ruhig schlafen.

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