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Einkauf im Dorf

Der Wilhelm meint hier, dass ich zum Einkaufen bei uns nur um die Ecke gehen brauch. Ich antworte deshalb einfach mal in einen extra posting.
Schön wäre es ja, wenn ich zum Einkaufen nur um die Ecke bräuchte, da würde sich sogar das ganze Dorf drüber freuen.

Früher gab es bei uns noch den Konsum und einen Tante Emma-Laden. Noch viel früher, als vor meiner Zeit, hatten wir sogar zwei Bäcker im Dorf. Ja und eine Dorfkneipe hatten wir auch mal.
Nach der Wende schloss irgendwann der Konsum, der Tante Emma-Laden hielt sehr lange durch, bis der Besitzer leider verstarb und von da an gab es bei uns keine Einkaufsmöglichkeiten mehr.
Es kommt zwar zweimal die Woche das Brotauto, dass halt praktischerweise bei uns vor der Tür, aber das Brot in der Stadt kostet nur die Hälfte und ist genauso gut. Dann kommen noch einige Wagen mit Tiefkühlkost ins Dorf, aber Supermarkt ist billiger. Ein Fleischerwagen hält auch noch bei uns, aber der hält mitten im Dorf und ob die Sachen gerade im Sommer noch frisch, na ich weiß nicht. Dann wenn es wieder wärmer wird, kommt noch ein Gemüseauto und einmal im Monat das Apfelauto. Ab und an kommen uns dann noch fliegende Äpfel- Kartoffelhändler besuchen. Die haben zwar gute Ware, aber um die kaufen zu können, muss im Lotto gewonnen haben.
Einmal die Woche fährt ein rollender Einkaufswagen durchs Dorf, aber wie gesagt er fährt und ehe man da mitbekommt, dass der da ist, ist er schon wieder weg. Alle zwei Wochen kommt das Fischauto, mit frischen Fisch, nur leider direkt zur Mittagszeit und da wieder siehe Fleischerwagen. Dann kommt einmal die Woche das Blumenauto und ein Auto mit Sachen vom Bauern kommt auch noch, bzw. ich weiß gar nicht ob letzteres wirklich kommt, denn der Fahrer wohnt im Dorf.
Ja und seit wenigen Wochen können wir beim Nachbarn frische Brötchen kaufen.

Und das wars dann auch schon mit den Einkaufsmöglichkeiten bei uns.

Somit fahren wir oder auch mal ich zum Einkaufen in die Stadt, die ja glücklichweise nicht weit entfernt ist. Eigentlich haben wir sogar zwei Städte zur Auswahl. Entweder ich fahre die 10 in unsere Kreisstadt (Haldensleben) oder 20 Minuten nach Magdeburg.

Ja und wenn wir dann mal frische Wurst oder Fleisch wollen, dann fahren wir eben ins Nachbardorf, denn dort gibt es noch einen Fleischer oder ein paar Kilometer weiter aufs Gut, in den Bioladen. Ein paar Dörfer weiter ist auch noch ein Fleischer und der hat Mittwochs Hausschlachtetag und da fahren wir dann auch hin und wieder mal vorbei. Dann gibt es da alles ganz preiswert.
Tja, was sagt uns das?
Ohne Auto geht nichts. Wir können zwar auch die Bahn nehmen und in die Stadt fahren (das machen vor allen die, welche kein Auto haben), aber das heißt dann aber auch Beutelschleppen. Und so ein Wocheneinkauf bedeutet viele Beutel.
Und wenn man dann noch extra-Wünsche hat, dann muss man sowieso nach Magdeburg fahren.

Was sagt uns das noch? Doerfler muss immer zum Einkaufen in die Stadt.

4 Kommentare

  • 1. bloggnjus schrieb am 31st March 2006 um 00:11 :

    Da fehlt deutlich ein kleines Lager bei dem die vielen Autos mal spontan abladen können, das meiste bleibt doch 2-3 tage frisch(?) Also ich wette es gibt ein kiosk oder eine tanke die bier verkauft ;-) das rentiert sich komischerweise in deutschland überall. es gibt sehr kleine dörfer z.b im schwarzwald kein metzger kein tante-emma kein bäcker aber 3 kneipen!
    -> Geschäftsidee basierend auf Ankäufen von Alkoholika, Dosen und Toastbrot sollte sich da doch was machen lassen(?) wenn ’s läuft dann aufrüsten auf tiefkühklkost(?) würde ja reichen wenn man das 1-2 stunden am tag verkauft.

  • 2. eule70 schrieb am 31st March 2006 um 00:29 :

    Schlimm ist, dass da in jeder Familie jede Person ein Auto haben müsste. Wenn dann die Hälfte arbeitslos ist, ist das Geld dafür nicht mehr da. Und da wundert man sich, wenn die Dörfer veröden - oder zu Schlafstätten für ein paar Betuchte werden.

  • 3. Wolf schrieb am 31st March 2006 um 08:40 :

    Nur mal als Beispiel, ich bin in einen kleine Stadtteil aufgewachen, der so 2- bis 3000 Einwohner hatte, also durchaus mit einen Dorf vergleichbar. Damals war der Stadteil vollkommen autark. Es gab drei Kaufläden, einen Schlachter, zwei Bäcker eine Post- und Bankfiliale und sogar einen Schuhmacher. Von diesem Angebot ist eine Bäckereifiliale, die Bank und eine Schleckerfiliale übriggeblieben.
    So, und nun kommen wir zu den Kosten für eine Einkauf. Wenn ich kein Auto besitzen würde, dann müßte ich, um mit dem Bus fahren zu dürfen, 2,20 Euro berappen und dass sind die Kosten für eine Fahrt. Also hin und zurück 4,40 Euro pro Nase. Dazu kommt noch das Taschenschleppen, was eine Person bei einem Wocheneinkauf überhaupt nicht bewältigen könnte. Es fahren also zwei Personen und schon bin ich 8,80 Euro für den Transport los.
    Sorry, diese Zentralisierung ist in meinen Augen doch “krank”.
    Zum Glück wohne ich nun in einem anderen Stadtteil, wo der Einkauf auf kurzen Wegen, zumindestes eingeschränkt, noch klappt.

  • 4. doerfler schrieb am 31st March 2006 um 09:17 :

    Tja, bei uns haben nur noch die größeren Dörfer wenigstens einen Tante Emma-Laden oder einen kleineren Supermarkt (der natürlich Superteuer ist), meistens auch noch einen Bäcker oder Fleischer.
    Wir sind ja nun mittlerweile eine Einheitsgemeinde, jetzt muss ich lügen, von 5 oder 6 Dörfern die wir sind, haben zwei eine Kaufhalle (sprich Spar oder Edeka) und zwei einen Fleischer und Bäcker (eines davon hat auch den Supermarkt).
    Für uns sind diese Dörfer bis auf eines nur per PKW zu erreichen.
    Und wir leben sogar noch in der Hälfte im Osten den es noch gut geht, wo die Dörfer noch nicht so sehr veröden, dafür aber die Städte. Aber weiter östlich Richtung Brandenburg oder Mecklenburg, sieht es ganz schlimm aus. Obwohl es auch bei uns der Altmark, kaum mehr besser ist.
    Die Jungen gehen weg, zurück bleiben die Alten und die Arbeitslosen.
    Das einzige was uns noch geblieben ist, ist der Bahnhof, wenn man den noch so bezeichnen kann.
    Was für die meisten Menschen einfach unverständlich ist.
    Post weg, Geschäfte weg, Bahnhof halb weg, der Bürgermeister ist eigentlich auch schon weg. Das Dorf verwaltet sich überhaupt nicht mehr selbst. Das ist für viele nicht mehr zu verstehen, dann schließen in den Nachbardörfern die Schulen.
    Das soll mal einer den Menschen erklären, dass ist auch einer der Gründe für die Politikverdrossenheit bei uns.

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